Wenn Günther Platter am Dienstag sein Regierungsteam bestätigen lässt, wird alles so sein wie immer: Eine mächtige Tiroler ÖVP wird den Landeshauptmann stellen - und der wird erklären, dass er mit frischer Kraft und einem neuen Team zum Wohle des Landes antritt. Die SPÖ wird dem Landeshauptmann dankbar den Steigbügel halten und sich in die Routine der Regierungsarbeit einfinden.

Ja, freilich: Neue Köpfe werden da sein - brave Getreue allesamt. Für die Schlüsselstelle der Landesregierung, das Finanzressort, hat sich Platter gleich seinen ehemaligen Kabinettschef, Christian Switak, mitgebracht. Dieser enge Vertraute wird ihm den Rücken freihalten - und vor allem die Handlungsfähigkeit des ÖVP-Regierungsteams sicherstellen.

Platters Stärke ist ja nicht nur sein Rückhalt im ÖAAB. Vielmehr ist es die langjährige Regierungserfahrung, die er als Landesrat und Bundesminister gesammelt hat. Er weiß ebenso wie Switak und der einzige verbliebene Landesrat aus Herwig van Staas Team, Anton Steixner, mit der Bürokratie umzugehen - während sich die Neuen erst einleben müssen. Mit Switak versicherte sich Platter auch eines Verbündeten für den Fall, dass irgendjemand die Machtverschiebung innerhalb der Tiroler ÖVP noch einmal hinterfragen wollte.

Denn so sehr sich die Volkspartei unbeeindruckt vom Wahlerfolg des in den eigenen Reihen groß gewordenen Fritz Dinkhauser gibt - den Schock des Wahlergebnisses konnte sie nur durch eine weitgehende innere Umschichtung verdauen.

Dass die bisherige Landesrätin Elisabeth Zanon diese Notwendigkeit schon am Wahlabend ausgesprochen hat, ist ihr nicht gut bekommen. Da halfen auch ihre guten persönlichen Umfragewerte nichts: Für eine Frau in der Partei der "Schwarzen Mander" gehört es eben zum "guten Ton", wenn "frau" wartet, bis sie gefragt wird, ein Amt zu übernehmen.

Auf ihren Ruf aus der Partei und aus dem Wirtschaftsbund gewartet hat dagegen die neue Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. Die Unternehmerin und Mutter dürfte - ähnlich wie Zanon - das traditionelle Frauenbild in der ÖVP aufweichen.

Aber sie wird sich erst in die Regierungsgeschäfte einarbeiten und ihre Position ausbauen müssen - was sie mit den anderen neuen ÖVP-Regierungsmitgliedern Beate Palfrader und Bernhard Tilg sowie dem Sozialdemokraten Gerhard Reheis gemeinsam hat.

Der Bauernbündler Steixner dagegen konnte seine starke Position behaupten, auch wenn der Bauernbund in der parteiinternen Machtbalance insgesamt ein wenig nachgeben musste. Bauernbündler Steixner hat daran mitgewirkt, dass der Arbeitnehmer-Obmann Platter den Sessel van Staas übernehmen konnte - der Altlandeshauptmann darf als Landtagspräsident weiterhin in der Politik bleiben.

Und er wird der Reibebaum für Fritz Dinkhauser und seine Liste bleiben, die durch die von Dinkhauser so genannte "Koalition der Verlierer" von jeder Machtteilhabe ausgeschlossen bleibt. Das mag für eine neue oppositionelle Gruppierung gewisse Vorzüge haben - von der Oppositionsbank aus kann man sich auf die Regierenden, die sich als so wenig lernfähig erwiesen haben, gut einschießen.

Wenn die neue Landtagsopposition das gutmacht, dann kann sich das langfristig auszahlen.

Kurzfristig aber ist diese Regierungsbildung ein denkbar schlechtes Signal: Sie zeigt, dass ÖVP und SPÖ zwar bereit sind, ihr Team zu erneuern und dabei sogar bewährte und zugkräftige Personen wie Anna Hosp und Elisabeth Zanon zu opfern.

Ihren Zugang zur Politik zu erneuern haben sie aber nicht geschafft. (Verena Langegger/DER STANDARD Printausgabe, 1. Juli 2008)