Dass die ÖVP-Regierungsmannschaft im Wesentlichen so bleibt, wie sie ist, ist wohl nicht nur für den niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll enttäuschend. Die Wirtschaftsbündlerin Maria Fekter bekommt jenes Innenminsterium, das dem Arbeitnehmervertreter Günther Platter als Profilierungsbasis für seinen Traumjob als Tiroler Landeshauptmann gedient hat. Dabei hätte der Neffe des Landeshauptmanns, der Bauernbündler Josef Pröll, diese Sprosse der Karriereleiter gerne selbst erklommen. Im Innenministerium hätte der Landwirtschaftsminister aus seiner doch sehr fachspezifischen Ecke herausfinden und sich für noch höhere Aufgaben empfehlen können.

Der Kritik von Erwin Pröll, Wilhelm Molterers allzu kleine Regierungsumbildung seit mutlos und wenig weitblickend, dürfen allerdings nicht nur familiäre Motive unterstellt werden. Denn dem von Molterer als "Hort der Stabilität" gepriesenen Team kann man bestenfalls und ein Auge zudrückend ordentliche Arbeit attestieren. Noch nie aber zeigte diese ÖVP-Mannschaft Visionen und Modernisierungswillen. Mit solchen Leuten kann man ein Land verwalten. Aber in einem Wahlkampf müssten neue Ansagen her - und diese müssten an neue Personen geknüpft werden.

Nun kann man Molterers Interpretation folgen und glauben, dass es noch mehr als zwei Jahre bis zur nächsten Wahl sind - was für stabiles Weitermachen spräche.

Aber dieser Glaube ist nicht mehr sehr weit verbreitet. Der von Erwin Pröll geforderte Weitblick muss wahrscheinlich nur bis in den Herbst reichen. Das sagt übrigens auch Prölls Freund und Wiener Amtskollege Michael Häupl. (Conrad Seidl/DER STANDARD Printausgabe, 1. Juli 2008)