Eigentlich hatte Michaela Kamler ja die Hotelfachschule absolviert, um später ein Hotel oder Restaurant zu führen, doch der Zufall wollte es anders: Eine weitschichtige Verwandte hatte Rat beim Astrologen gesucht, wem sie ihre Pharmafirma vermachen sollte - und die Wahl fiel auf Kamlers Familie. Also setzte die damals 30jährige ihr Wissen über Buchhaltung und Kostenrechnung von da an als Geschäftsführerin und Eigentümerin des chemisch-pharmazeutischen Betriebs F.Trenka ein. "Ich bin da mehr oder weniger einfach hineingeschlittert und plötzlich stand ich von einem Tag auf den anderen mit einer eigenen Firma da, hatte daneben zwei kleine Kinder und war eigentlich am Anfang total überfordert. Außerdem hatte ich vom Pharmabereich keine Ahnung und musste mir dieses Wissen erst aneignen." Die Firma Trenka - ein kleiner, 1929 gegründeter Traditionsbetrieb - zählt heute zu den wenigen Pharmaunternehmen in Österreich, die noch in privater Hand sind. "Ich wundere mich ja, dass es uns noch gibt, aber unsere Produkte sind mittlerweile fast 100 Jahre auf dem Markt", meint die 52jährige Chefin nicht ohne Stolz. Zum Großteil sei das auf den Erfolg des Exports der Produkte zurückzuführen - und da besonders in den arabischen Raum, den die Geschäftsfrau auch regelmäßig bereist. "Zu Beginn, in den siebziger Jahren, war das für mich als Frau gar nicht so einfach, weil ich nicht wusste, wie die Handelspartner dort überhaupt auf eine Frau reagieren würden. In der Zwischenzeit hat sich herausgestellt, dass ich gerade mit den Arabern besonders gut kann, weil ich das Menschliche und die emotionale Ebene immer sehr hoch stelle und versuche, auf die Bedürfnisse und die Kultur der Leute einzugehen, was dort einen hohen Stellenwert hat. Als Frau werde ich auch überall eingeladen, was bei einem Geschäftsmann eher unüblich wäre - es ist dort für mich also ein großer Vorteil, eine Frau zu sein. Und das, obwohl in der arabischen Geschäftswelt selbst fast überhaupt keine Frauen anzutreffen sind."
Die Tatsache, dass eine Frau die Geschäfte des Betriebs leitet, war für die männlichen Kunden vor zwanzig Jahren noch schwer zu verdauen: "Ich musste mich wirklich behaupten. Einige waren sehr skeptisch, ob sie mit mir als junger Frau auch gut zusammenarbeiten könnten, und ob ich kompetent genug sei." Heute sei das anders: "Männer und Frauen stehen bereits fast auf der selben Stufe, es fehlt - zumindest im Westen - nicht mehr viel. In den arabischen Ländern wird das noch etwas dauern - aber gut Ding braucht eben Weile." - Name: Michaela Kamler - Alter: 52 - Beruf/Bezeichnung der Tätigkeit: geschäftsführende Gesellschafterin und Alleininhaberin der Firma F. Trenka Chem.-pharm. Fabrik GesmbH - Familienstand: geschieden, 2 Kinder dieStandard.at Wo leben, bzw. arbeiten Sie? Michaela Kamler In Wien dieStandard.at Was war Ihr letztes Projekt/Ihre letzte Tätigkeit? Michaela Kamler Geschäftsführerin der o.g. Pharmafirma. dieStandard.at Welche Aus, bzw. Weiterbildung haben Sie gebraucht, um diesen Job ausführen zu können? Michaela Kamler Kaufmännische Ausbildung, ständige Weiterbildung in Seminaren, persönliches Coaching. dieStandard.at Was ist Ihre genaue Funktion/Tätigkeit? Michaela Kamler Geschäftsführerin, Gesamtverantwortliche für Firma Trenka, Weiterbildung für Pharmafirmen. dieStandard.at Wie sieht so ein "typischer Alltag" in Ihrem Job aus? Michaela Kamler KundInnenbesuche, Trouble-shooting, neue Projekte angehen, weiterverfolgen, nachstossen, weltweiter KundInnen- und Behördenkontakt, Führung bzw. insbesondere Motivation der MitarbeiterInnen, Meetings, Budgetsitzungen, Bankengespräche und vieles mehr. diestandard.at Was macht Ihnen an der Arbeit besonders Freude? Michaela Kamler Mit vielen Menschen verschiedenster Sprache und Kulturen zusammen zu sein und mit meinem Team zusammen gesteckte Ziele zu erreichen. dieStandard.at Was ärgert Sie besonders und was würden Sie deshalb gerne verbessern? Michaela Kamler Dass es überall zuviel Bürokratie, staatliche Kontrollen und Einschränkungen gibt, zuviele "Standards", die nur schwer in den verschiedenen Ländern umsetzbar sind. Individualität wäre sicher manchmal von Vorteil - kein Mensch ist an sich standardisiert. dieStandard.at Welche Aufstiegsmöglichkeiten haben Sie in Ihrem Job? Michaela Kamler EineN GeschäftsführerIn zu finden, der/die die Firmenleitung vollamtlich übernimmt und selbst als Aufsichtsrat mehr Zeit für Strategien zu haben. dieStandard.at Was möchten Sie darin gerne noch erreichen? Michaela Kamler Die Firma auf noch stabilere Basis zu stellen und die Produkte so aufzuarbeiten, zu dokumentiern und mit klinischen Prüfungen zu versehen, dass diese noch weitere 100 Jahre lang weltweit vertrieben werden können. dieStandard.at Warum ist es gerade dieser Beruf/Job geworden und was wäre es geworden, wenn Sie nicht darin gelandet wären? Michaela Kamler Wie so oft im Leben ist es ein Zufall - die Firma Trenka ist mir echt zu-gefallen, indem eine weitschichtige Verwandte uns diese Firma angeboten hat. Ich wäre sicherlich gerne auch Managerin eines großen internationalen Hotelkonzerns oder einer Restaurantkette geworden, jedenfalls im Management des Hotel- und Gastgewerbes wie es meiner eigentlichen Ausbildung entspricht (ich habe die Hotelfachschule abgeschlossen), aber heute lasse ich Medikamente kochen statt Menüs. dieStandard.at Angenommen, Sie hätten die Möglichkeit, am allgemeinen Bild Ihres Berufs etwas zu verändern - was wäre das? Michaela Kamler Die Frage trifft auf mich nur schwer zu, da mein Beruf non-konformistisch ist und ein kleines Unternehmen mit einem 100prozentig österreichischen Produkt, das sich weltweit verkauft, kein allgemein gültiges Berufsbild bietet. dieStandard.at Welche "Tricks" wenden Sie an, damit Ihr Job für Sie interessant bleibt und nicht nur tägliche Routine ist? Michaela Kamler Ich reagiere schnell und verläßlich auf Kundenwünsche und Kundenfragen, ich bin intuitiv, sensibel und "reagibel" (gehe menschlich auf), meinE GeschäftspartnerIn ist für mch immer primär Mensch und erst dann GeschäftspartnerIn. Ich arbeite auch sehr viel mit der Bundeswirtschaftskammer und Aussenhandelsstellen zusammen, ohne die so ein durchschlagender Erfolg nicht möglich wäre. Ich versuche, meine KundInnen wenn möglich durch besonders rasches Eingehen auf Ihre Fragen und Wünsche zufriedenzustellen. Meine GeschäftspartnerInnen sind für mich nicht nur als sachliche GesprächspartnerInnen sondern auch als Menschen mit den unterschiedlichsten Ansprüchen und Reaktionen interessant. Es kann auch spannend sein, für so manche Probleme unkonventionelle Lösungen zu suchen. dieStandard.at Welche Ausbildung/Tipps würden Sie heute einer jungen Frau raten/mitgeben, die von Ihrem Beruf begeistert ist und einsteigen möchte? Michaela Kamler Viel zu reisen, sich mit den Kulturen fremder Lädner auseinanderzusetzen, nach Möglichkeit die Sprache der Exportkunden zu lernen und frei und offen jeder Kultur gegenüber zu stehen. Ausbildungstipps: Seminare und psychologisch untermauertes Training wie emotionale Intelligenz, Körpersprache nach Samy Molcho u.ä. dieStandard.at Ist Gleichberechtigung am Arbeitsplatz in Ihrem Job (noch) ein Thema? Michaela Kamler Schon längst hat die Frau die Treppen zur Gleichberechtigung erreicht, zumindest in Europa und Amerika, am Wege sind wir - wenn auch nicht so bald - im arabischen Raum. Gut Ding braucht Weile. dieStandard.at Welche Bedeutung hat es in Ihrem Job, dass Sie als Frau diese Tätigkeit ausüben? Michaela Kamler Dass ich manche Dinge nicht nur sachlich angehe, sondern auch weibliche Emotionalität einfließen lasse, was mir schon oft sehr geholfen hat.. dieStandard.at Was war das erfreulichste Erlebnis, an das Sie sich als Frau in Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit erinnern können? Michaela Kamler Ein Auftrag in Saudiarabien, den ich als "Dankbarkeit"dafür erhielt, dass eine Frau es wagt, sich in die Höhle der Männerwelt zu begeben. dieStandard.at Und was das enttäuschendste? Michaela Kamler Dass man mich in einem arabischen Ministerium, in dem es um Preisgespräche ging, nicht empfangen hat, weil ich eine Frau bin. dieStandard.at Was wollten Sie als Kind immer werden? Michaela Kamler: Managerin, die viel mit fremden Kulturen und Menschen zu tun hat und der die Welt offen liegt. dieStandard.at Und was war dann der angestrebte (Traum-)Beruf? Michaela Kamler Damals noch Stewardess - des Reisens wegen! dieStandard.at Welchen Einfluss von außen (FreundInnen, Eltern, Vorbilder,..) hatten Sie bei Ihrer Berufswahl? Michaela Kamler Leider keinen. dieStandard.at Was bedeutet für Sie Stress und was tun Sie, um ihm zu entkommen? Michaela Kamler Dinge nicht lösen zu können, die eigentlich lösbar sein sollten. Und zu entkommen: ins Flugzeug steigen und wegfliegen. dieStandard.at Was bedeutet für Sie ausspannen? Michaela Kamler Bergtouren, und auf Plätzen stehen, wo mein Auge sich ausruhen kann und nirgends anstößt ... dieStandard.at Bleibt in Ihrem Job noch genug Freizeit über und was tun Sie dann am liebsten? Michaela Kamler Leider manchmal nicht - und wenn: Reisen, Gäste, FreundInnen, Sport und vieles, vieles mehr. dieStandard.at Wenn Sie eine Fee für eine Stunde wären - was würden Sie sofort verändern? Michaela Kamler Ich würde alle Menschen zu Feen werden lassen. dieStandard.at Welche drei Bücher, bzw. Urls sollte frau unbedingt haben/kennen? Michaela Kamler Siddharta von Hesse Die Freude eine Frau zu sein von Dr.Johannes Huber Weltatlas www.eucarbon.at (die Trenka-Firmen-Homepage) dieStandard.at Und zum Abschluss: Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen? Michaela Kamler Den Mann meiner Träume, den Weinkeller meines Nachbarn und die österreichische Nationalbibliothek. Isabella Lechner