Wenige rechtliche Themen erhitzen die juristischen Gemüter derzeit so sehr wie die Frage nach einer Reform des GmbH-Rechts. Bei der Buchpräsentation der Neuauflage des GmbH-Handbuchs von Michael Umfahrer, dem Präsidenten der Notariatsakademie, am Montagabend kritisierte der Wiener Gesellschaftsrechtler Christian Zib das gerade verabschiedete GmbH-Reformgesetz in Deutschland (MoMiG) und den Verordnungsvorschlag der EU-Kommission für eine Europäische Privatgesellschaft (EPG).

Bei beiden Initiativen sei die Abschaffung des Mindestkapitals das Ziel, was Zib wie andere österreichische Juristen kritisch sieht. Dies könnte eine persönliche Haftung der Gesellschafter für eine Unterkapitalisierung auslösen, die es etwa in Großbritannien, dem Land der "Limited" , bereits gibt.

Zib lobt Musterverträge

Positiv sieht Zib hingegen im deutschen Gesetzesentwurf die Einführung gesetzlich vorgegebener Musterverträge für GmbH-Satzungen. Damit werde es den Gerichten erleichtert, die Gesellschafterverträge zu prüfen. Die Deutschen folgten damit einem spanischen Modell, das Zib auch für Österreich empfiehlt. Der Brüsseler EPG-Entwurf sieht diese Einrichtung zu seinem Bedauern hingegen nicht vor. Zib begrüßt außerdem, dass im deutschen MoMiG die Beglaubigung durch Notare – ebenso wie in Österreich – weiterhin verpflichtend vorgesehen ist. Auch Umfahrer warnte vor der kapitallosen GmbH und einer Lockerung der Kapitalerhaltsbestimmungen. Dies gefährde den Konsumentenschutz, denn "ohne Kapitaldecke gibt es keine Erfüllungssicherheit" , sagte Umfahrer.

Auch das Firmenbuch müsse weiterhin von den Gerichten geführt werden, um die Richtigkeit der Eintragungen zu gewähren. Das Eintragungsverfahren sei durch die Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs vor einem Jahr ohnehin bereits dramatisch beschleunigt worden. (ef, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2.7.2008)