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Bundesliga-Vorstand Martin Pucher

Foto:APA/HELMUT FOHRINGER
Wien - Martin Pucher hat in den kommenden Tagen und Wochen einiges zu tun. Der Präsident der österreichischen Fußball-Bundesliga steckt mitten in den Vorbereitungen auf die am kommenden Dienstag beginnende neue Saison, parallel dazu fahndet er gemeinsam mit ÖFB-Boss Friedrich Stickler nach einem neuen Teamchef. Mit der Austria Presse Agentur sprach der Mattersburg-Obmann unter anderem über seine Erwartungen an das Spieljahr 2008/09 und den aktuellen Stand der Suche nach einem Nachfolger für Josef Hickersberger. (APA)

Wie sieht der Meistertipp des Liga-Chefs aus?

Pucher: "Ich glaube, dass sich Rapid und Salzburg den Titel untereinander ausmachen werden, man darf aber auch nicht auf die Austria vergessen. Auf jeden Fall wünsche ich mir eine Meisterschaft, die annähernd so spannend verläuft wie die letzte."

Welche Bedeutung könnte die EURO 2008 für die kommende Bundesliga-Saison haben?

Pucher: "Die EM hat im Laufe des Turniers immer mehr Leute angesprochen, die sich für Fußball nur mittelmäßig oder wenig interessieren. Das ist ein sehr positiver Aspekt und gibt uns die Chance, die Liga bei höherem Interesse zu starten und größere Teile der Bevölkerung anzusprechen. Ich gehe davon aus, dass es eine höhere Anzahl von Neuanmeldungen von Kindern geben wird. Die Vereine wären gut beraten, sich darauf einzustellen. Außerdem hat auch die Wirtschaft gesehen, welche Menschenmengen man mit Fußball ansprechen kann."

Kann der Zuschauer-Rekord der Vorsaison mit durchschnittlich über 9.200 Fans pro Spiel noch einmal überboten werden?

Pucher: "Ich glaube schon, dass sich diese Zahl gerade aufgrund der Einflüsse der EM erhöhen könnte. Aber zuletzt hat sicher auch mitgespielt, dass mit dem LASK ein Traditionsverein mit vielen Zuschauern aufgestiegen ist und wir in Klagenfurt einige Male ein großes, volles Stadion hatten."

Dabei bekommen die Fans immer weniger österreichische Teamspieler zu sehen, weil die verstärkt ins Ausland abwandern. Wie sehen Sie diesen Trend?

Pucher: "Ich sage grundsätzlich Ja zur österreichischen Liga als Ausbildungsliga, aber mit der Einschränkung, dass die Spieler zuerst hier reifen und dann ins Ausland gehen sollen. Bei einem Überflieger ist es keine Frage, dass er früher wechselt, aber ein 17-, 18- oder 19-Jähriger muss nicht gleich ins Ausland gehen, man muss ja auch die Persönlichkeits-Entwicklung berücksichtigen. Ich bin dagegen, dass man Junge nach zwei, drei guten Spielen ins Ausland lockt. Ideal wäre es, wenn ein Spieler bis zu einem gewissen Grad in Österreich reift und dann geht. Dann ist es eine Win-Win-Situation: Für den Spieler, für den Verein, der eine Ablöse bekommt, und für den ÖFB, der durch das Nationalteam profitiert."

Das Nationalteam profitierte auch vom Österreicher-Topf, an dem ab dieser Saison nur jene Clubs partizipieren dürfen, bei denen 12 von 18 Kickern auf dem Spielbericht Österreicher sind. Ist mit dieser Zahl schon der Plafond erreicht?

Pucher: "Das Wesentliche ist nicht, wie viele Österreicher auf dem Spielbericht stehen, sondern wie viele spielen. Wir hatten in der letzten Saison im Schnitt 7,25 Österreicher von Beginn an, und da ist schon Salzburg eingerechnet. Vor Bosman waren es wie vorgeschrieben acht Österreicher, wir sind also praktisch nicht schlechter geworden, obwohl es damals rechtlich eine völlig andere Situation war. Mit diesen Zahlen kann in West- und Zentral-Europa keiner mithalten, wahrscheinlich nur skandinavische Länder."

Wie viel Geld liegt in dieser Saison im Österreicher-Topf?

Pucher: "Von der Liga kommen aus dem TV-Geld 4 bis 4,5 Mio. Euro, außerdem wird der Topf vom ÖFB in bestmöglicher Form aufdotiert. Ich rechne mit einer Größenordnung von insgesamt 5 bis 5,5 Mio. Euro."

Was passiert mit dem Geld der Bundesregierung für das auslaufende ÖFB-Challenge-Projekt?

Pucher: "Nach einer externen Evaluierung des Challenge-Projekts sind wir auf dem Weg, ein Nachfolge-Projekt zu erstellen. Es hat sich gezeigt, dass die Individualisierung im Fußball immer wichtiger wird. Es gibt die Bemühungen, dass es für die Clubs verstärkt Anreize für die Individualisierung gibt, und dadurch könnten die Clubs dann auch direkt profitieren."

Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen ÖFB und Liga bei der Teamchef-Suche?

Pucher: "Wir hatten am 24. Juni eine sachliche Diskussion im ÖFB-Präsidium und haben den Beschluss gefasst, dieses Thema bis Ende Juli zu erledigen."

Und wie schreitet die Erledigung dieses Themas voran?

Pucher: "Wir sind in einer Phase, wo wir Basis-Informationen zusammentragen, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Für mich persönlich ist nach wie vor alles offen."