Die Feuerkörbe werden nach Sonnenuntergang entzündet, wenn Gelsen aus dem Schilf aufsteigen.

Foto: Wasserbauer

Neusiedlersee-Zander, taufrisch und ganz puristisch mit neuen Erdäpfeln und Sauerampfer kombiniert.

Foto: Wasserbauer

Von Hippie-Chic und buntem Bohème-Flair, wie sie die Seejungfrau bei der Eröffnung vor zwei Jahren ausgezeichnet haben, ist nicht viel geblieben. Seit Günter Mittermayrs Lokal mit Privatstrand am Yachthafen von Jois am Neusiedler See im Herbst bis auf die Grundmauern abgebrannt ist, wurde heftig investiert. In die Küche, in die Möblage, in den klimatisierten Walk-in-Weinschrank, der nun eine verblüffende Auswahl lokaler, aber auch internationaler großer Weine und Jahrgänge beherbergt – aus der in dieser Hinsicht konkurrenzlos gut sortierten "WeinArt"-Schatzkammer von Carlo Wolf.

Mondäne Terrasse

Am auffälligsten ist aber die mondäne Terrasse, auf Pfosten in den See hinausgebaut, wo hauptsächlich Austern und Champagner geschlürft werden sollen. Das klingt luxuriös und ist es wohl auch. Doch erstens ist die Flasche Schampus ab 50 Euro plus zu haben (okay – es gibt auch welche ums Zehnfache), und zweitens ist es den Wirten zu vergönnen, wenn der Neusiedler See zusehends ins Blickfeld gut gepolsterter Mittel- und Osteuropäer rückt – mit allen Konsequenzen. Davon abgesehen, darf man sich in der Seejungfrau auch mit schmaler Brieftasche willkommen fühlen: Es gibt reichlich Bouteillen um die 20 Euro.

Echte Neusiedlersee-Zander

Die Preise für das Essen haben, wie überall am See, auch hier angezogen – dafür gibt es erstklassige Ware. Kapitale (und echte!) Neusiedlersee-Zander etwa, taufrisch und ganz puristisch mit neuen Erdäpfeln und Sauerampfer kombiniert. Oder spitzenmäßiges Lamm aus dem Seewinkel, kurz und mutig gebraten, mit zarter Sauce und knackigem Gemüse: ideal, um die dichten Blaufränkischen der Gegend in den Abend zu begleiten.

Bei den Vorspeisen darf es durchaus spielerisch zugehen. Knusprige Blunze etwa wird mit winzigen Linsen kombiniert, die nicht gekocht, sondern nur in Zitruswasser gequollen sind – eine überzeugende Variante, die die Hülsenfrucht als knackiges, frühlingshaftes Gemüse präsentiert. Oder, ganz köstlich und schön osteuropäisch: gegrillter polnischer Oscypek-Rauchkäse mit gebratenen Pfefferoni und Schmortomaten. Oder die kleinen 1er-Fines-deClaires, die auch im Sommer so unvergleichlich zart nach Meer schmecken. Fazit: 1 a Westöstlicher Diwan! (Severin Corti/Der Standard/rondo/11/07/2008)