Sujetvorschlag von Christoph Chorherr.

Bild: Chorherr

Sujetvorschlag von Helge Fahrnberger.

Bild: Chorherr

Sujetvorschlag von Michael Schuster.

Bild: Chorherr

Sujetvorschlag von Georg Pichler.

Bild: Chorherr
"Ich bin schwer beeindruckt". Christoph Chorherr, Abgeordneter der Wiener Grünen, kommt momentan aus dem aus dem Staunen und aus dem Bloggen gar nicht mehr heraus. Der Grund dafür: Vorgestern forderte er in seinem Blog die UserInnen dazu auf, nach Lust und Laune Wahlslogans, Plakate und Sujets für den grünen Wahlkampf zu basteln. Die Resonanz war gewaltig: Innerhalb von zwei Tagen entwickelte sich Chorherrs Seite zu einer der meistdiskutierten in der deutschsprachigen Blogszene. Dutzende Sujets sind bereits eingelangt, die Aktion wird in vielen Blogs diskutiert.

Neuer Zugang ohne Angst

"Eine mächtige, neue Generation von politisch Interessierten bewegt sich im Netz", so Chorherr zu derStandard.at. Nur sehr wenige im politischen Establishment würden das Medium begreifen und akzeptieren. "Viele haben auch Angst davor". Werden die klassischen Sujetplaner sich von der kreativen Blogger-Szene auf die Füße getreten fühlen? "Ich sehe das vom produktiven Standpunkt", meint Chorherr. Wahlkämpfe würden zunehmend mehr im Internet stattfinden, und solche Aktionen seien ein wichtiger neuer Zugang. Er sei von der Art und Qualität der Einsendungen beeindruckt gewesen, so Chorherr. Die Idee zum Online-Aufruf sei ihm gekommen, weil viele Menschen ihn angesprochen hätten: "Machts diesmal eh gscheite Plakate".

"In den Kinderschuhen"

Dass Österreich im Vergleich zu den USA, wo Barack Obamas Wahlkampf maßgeblich im Internet stattfindet, noch viel zu lernen hat, meint auch Helge Fahrnberger, einer von Österreichs bekanntesten Bloggern, zu derStandard.at. "Die Versuche, die ich bei den österreichischen Parteien beobachte, stecken noch in den Kinderschuhen". Dennoch kann er diesen ersten Gehversuchen etwas abgewinnen und beobachtet sie mit Interesse. "Auch wenn man sich dann schon wundert, wenn Buchinger ein Blog so versteht, dass er einfach ein Tagebuch mit Zeitangaben führt".

Die Grünen würden sich hier eher wie "Fische im Wasser" bewegen, aber auch die ÖVP startet entsprechende Versuche, etwa mit dem Blog von Bundesgeschäftsführerin Michaela Mojzis.

"Das älteste Kommunikationsmedium"

Das Internet, so Fahrnberger, sei keine Einbahnstraße mehr wie konventionelle Medien, sondern ein "two way"-Medium. User können unmittelbar reagieren und mitdiskutieren - eine Kommunikation auf gleicher Ebene, die nicht allen geheuer ist: "Parteien haben Angst davor, Medien haben Angst davor, Markenunternehmen haben Angst davor".

Chorherr steht zu seinem Engagement im Netz: "Das Internet ist eigentlich das beste und älteste Kommunikationsmedium der Geschichte - das 'miteinander Reden'", so der grüne Politiker. Auch Fahrnberger verweist darauf, dass das, was jetzt online passiert, eigentlich nichts anderes ist als besser funktionierende Mundpropaganda. Ganz nach dem Motto: "If the news is important it will find me".

Van der Bellen nicht auf Youtube

Und was, wenn Parteistrategen beschließen, für den Wahlkampf Youtube, Blogs, Facebook und Myspace zu nutzen? "Wenn das nicht authentisch ist, wird es sofort durchschaut werden", so Fahrnberger. Auch Chorherr findet: "Entweder man bloggt ohnehin schon, oder man lässt es bleiben". Man werde jedenfalls auch in den nächsten Monaten keine von Alexander Van der Bellen gedrehten Videos auf Youtube finden.

Werden die Plakate der Blogger auch tatsächlich in die engere Auswahl des realen grünen Wahlkampfs kommen? Wenn es nach Chorherr geht, auf jeden Fall: "Ich sehe es als meine Aufgabe, das in den grünen Wahlkampf einzubringen". (Anita Zielina, derStandard.at, 11.7.2008)