Als Ex-Finanzminister ist Karl-Heinz Grasser an große Summen gewöhnt. Die Option, dass sich die Meinl International Power (MIP) für 32 Millionen Euro von ihrer Managementgesellschaft trennt, an der Grasser ein Drittel hält, ist das neueste Kapitel im Fortsetzungsroman über die Meinl-Abzocke. Die Managementgesellschaft hat nämlich erst vor einem Jahr ihre Tätigkeit aufgenommen. Die Eigentümer – neben Grasser ist das die Meinl Bank, die die restlichen zwei Drittel hält – könnten damit nach kurzer Arbeitszeit eine fürstliche Abfindung einstreifen.

Kommt hinzu, dass die Managementgesellschaft bis Ende 2007 gerade einmal für Umsätze von 10.084 Euro gesorgt hat. Investiert wurde dafür in den deutschen Windpark Hohenlohe. Damit wirft just jene Beteiligung Geld ab, die nicht in Osteuropa getätigt wurde, wo doch der Investmentfokus laut Börsenprospekt liegt. Alle anderen Investments bis zum Jahresende sind "in Entwicklung" oder "in Bau".

Durch die 32-Millionen-Euro-Option, dank deren Grasser wohl zumindest zehn Millionen Euro lukriert, rücken bedauerlicherweise andere Fragen in den Hintergrund. Etwa jene, dass Unternehmen, für die Jersey-Recht und nicht die österreichischen Börsengesetze gelten, dennoch an der Wiener Börse notieren dürfen, zumal die Konstruktion dieser Unternehmen nicht leicht zu durchschauen ist. Fraglich und bisher ohne Konsequenz ist auch, dass solche Papiere von Anlageberatern für die Zukunftsvorsorge vieler kleiner Sparer empfohlen wurden.

Und während diese ihrem Geld nachtrauern, können sich Grasser und die Meinl Bank über die geplante fette Ablöse freuen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.7.2008)