Lyon hat Google für die Digitalisierung ihrer Gemeindebibliothek ausgewählt. Es ist die erste französische Stadt, die sich einer Privatfirma anvertraut, anstatt die Verwirklichung der digitalen europäischen Bibliothek abzuwarten. "Die europäischen Fonds sind selten. Wenn wir eine öffentliche Initiative abgewartet hätten, würden wir in 20 Jahren immer noch warten", erklärte Bürgermeister Gerard Collomb (PS) seine Initiative. Ähnliches Projekt gescheitert Im Jahr 2005 war ein ähnliches Vorhaben der "Bibliothek Nationale de France" (BNF) nach einer heftigen Kontroverse abgelehnt worden. Der damalige BNF-Präsident Jean-Noel Jeanneney hatte eine "europäische Reaktion" auf die Initiative von Google gefordert, der er einen "amerikanischen Geist" vorwarf. Eine solche Debatte bezeichnete der Kulturstadtrat von Lyon, Georges Kepenekian, als "überholt". "Alle großen Bibliotheken der Welt machen das, es gibt große Erwartungen, und die Dinge entwicklen sich sehr schnell", so Kepenekian. Neue Initiative "zur Kenntnis genommen" In Paris erklärte das Kulturministerium, dass es die Initiative "zur Kenntnis" nehme. "In der Initiative treffen sich zwei identische Visionen von dem, was eine Bibliothek zu bieten hat", sagte Philippe Colombet, Leiter der Bibliothek-Abteilung bei Google-France und fügte hinzu: "Wir erweitern damit das Angebot der französischsprachigen Bücher. Es ist unsere erste Partnerschaft in Frankreich, und ich bin sicher, dass die jesuitische Sammlung der Fontaines zahlreiche Forscher in der Welt interessieren wird." Digitalisierung binnen zehn Jahren Google wird binnen zehn Jahren gebührenfrei die Digitalisierung der mehr als 450.000 Bücher der Stadtbibliothek durchführen und die Bücher dann online auf der eigenen Webseite und auf jener der Bibliothek von Lyon anbieten. Die ersten Werke werden im zweiten Halbjahr 2009 im Netz sein. Google bietet bereits den Zutritt zu den Bibliotheken renommierter Universitätsbibliotheken wie jenen von Oxford, Harvard oder Madrid an. (APA)