Wien - Seit 1. Oktober 1997 gibt es die kriminalpolizeiliche DNA-Datenbank in Österreich. In der computergestützten Erbgut-Evidenz werden die "genetischen Fingerabdrücke" von Straftätern gespeichert, die am Tatort biologische Spuren zurückgelassen haben. Sowie Gen-Profile von Verdächtigen, die von der Exekutive als Wiederholungstäter eingestuft werden. Derzeit sind 3856 Biospuren und 29.000 Gen-Proben Tatverdächtiger in Evidenz. Bei den gespeicherten Gen-Codes handelt es sich vor allem um Daten aus Tötungs-, Körperverletzungs- und Sexualdelikten. Im konkreten Anlassfall oder bei einem routinemäßigen Abgleich von Codes aus beiden Pools, können Tatverdächtige so relativ leicht überprüft werden. Erstellt werden die Gen-Profile vom Institut für Gerichtliche Medizin der Uni Innsbruck. Dort isolieren Molekularbiologen die Erbgut-Trägersubstanz Desoxyribonukleinsäure (DNA) aus Zellkernen biologischer Täterspuren (etwa Blut, Speichel oder Sperma) oder aus Epithelzellen von Tatverdächtigen, denen ein Mundhöhlen-Abstrich abgenommen wurde. Im Verfahren selbst wird ein Abschnitt der DNA auf einer Gelschicht einem elektrischen Feld ausgesetzt. Dabei entsteht ein Muster, das je nach Abschnitt nur mehr bei jedem vierten oder zehnten Menschen vorkommt. Je mehr solche Erbgut-Abschnitte untereinander verglichen werden, desto seltener wird die Möglichkeit einer Übereinstimmung: Das Muster wird einer Person individuell so zuordenbar wie ein Fingerabdruck. Die biomathematische Wahrscheinlichkeit, dass ein Muster bei zwei Personen auftritt, liegt bei der in Österreich verwendeten Methode zwischen 1:111.000 und 1:30.000.000. Bis Ende 1999 konnten mit der Methode 226 Tatverdächtige ermittelt und 291 Delikte aufgeklärt werden, darunter vier Morde und 21 Vergewaltigungen. Der nun bekannt gewordene "Treffer", ist jedoch der spektakulärste Fall. Aus Sicherheitsgründen ist der Innsbrucker Gerichtsmedizin nur die Untersuchung des so genannten nicht-codierten Teiles des Erbgutes erlaubt. Dieser enthält - im Gegensatz zum codierten Bereich - gar keine Informationen über Krankheitsveranlagungen und dergleichen. Um Missbrauch zu vermeiden, werden die Gen-Proben anonymisiert. Nur in der Wiener Kriminaltechnik können die Profile mit den entsprechenden personenbezogenen Daten zusammengeführt werden. (chr)(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2000)