Im Streit zwischen dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider und der Wiener Stadtzeitung Faltung über ein Interview, in dem Haider Churchill mit Hitler gleichsetzte, gibt es nun eine Entscheidung des Handelsgerichts Wien. Haider hatte in der ZiB 2 behauptet, das Interview sei eine „reine Erfindung“. Daraufhin hatten die Falter Zeitschriften Ges.m.b.H. und die JournalistInnen Nina Weissensteiner und Florian Klenk, vertreten durch Anwalt Dr. Alfred J. Noll, den Landeshauptmann vor dem Handelsgericht Wien auf Unterlassung und Widerruf geklagt.Unwahr Das Handelsgericht Wien beurteilte diese Aussage nun als unwahr. Haider muss, wenn das Urteil hält, in der ZiB 2 widerrufen. Das stellte Richter Friedrich Heigl in einem Urteil fest, das der Stadtzeitung Falter letzten Donnerstag zugestellt wurde. Wörtlich sagte Haider in der ZiB am 4.11.1999 auf eine Frage des Moderators Robert Hochner: „Dieses Interview gibt es überhaupt nicht, es ist ein reine Erfindung, und, darauf lege ich Wert, es ist nicht bestätigt.“ Da Klenk und Weissensteiner jedoch tatsächlich mit Haider ein Interview geführt hatten (am 23. 9. 99 im Meidlinger Café Rondo), beurteilte das Gericht Haiders Aussage als unwahr und kreditschädigend. Das Interview war als Teil der letzten Falter-Ausgabe vor der Nationalratswahl am 3.10.99 gedacht, in der Interviews mit allen Parteivorsitzenden erscheinen sollten. Haider erhielt wie vereinbart eine Abschrift des Interviews, verweigerte jedoch die Autorisierung. LIF macht Interview öffentlich Falter hielt sich an die Abmachung und druckte das Interview nicht ab, wohl aber die Fragen. Das Liberale Forum veröffentlichte daraufhin im Internet eine Abschrift des Interviews. Skandal machte weniger die Frage: „Sie haben einmal gesagt, die abscheulichsten Figuren wären für Sie Churchill und Stalin. Warum haben Sie da eigentlich Hitler nicht erwähnt?“ als Haiders Antwort: „Also da fällt mir wirklich die Antwort schwer, wenn ich die drei anschau, nicht?“ Internationales Aufsehent Der Fall erregte auch internationales Aufsehen und führte zu Hochners Frage in der ZiB. Haider wand sich dort mit seinem seltsamen Satz, den das Gericht trocken so kommentiert: „Die Unwahrheit der inkriminierten Aussage ergibt sich allein schon daraus, dass das Beklagtenvorbringen (also Haiders Satz, Anm.) in sich widersprüchlich ist.“ Der Falter hatte Haider am 3.11.99 das Ultimatum gestellt, das Interview werde ungekürzt erscheinen, zöge Haider seine Aussage nicht zurück. Da dies ausblieb erschien das Interview in vollem Wortlaut in der Falterausgabe 45/99. Zugleich klagte der Falter Haider. Verschulden bei Haider Richter Heigl in seinem Urteil: „Ein Verschulden liegt zweifellos vor, weil der Beklagte selbst am Interview teilgenommen hat und er mit einem unverfälschten Zitat aus diesem Interview konfrontiert wurde.“ In Wahrheit liege nicht nur Kreditschädigung, sondern auch eine Ehrenbeleidigung vor, weil Haider die Journalisten bezichtigte, gelogen zu haben. Zusatz Heigls: „Dass die Wiederholungsgefahr weggefallen wäre, wird vom Beklagten nicht einmal behauptet.“ Auf der web-page des Falters können sie das Interview downloaden: www.falter.at (red)