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Kuopio/Toronto/Ohio/Kopenhagen - Dass im moderaten Mengen genossener Alkohol eine günstige Auswirkung auf das Risiko bestimmter Herz-Kreislauf-Krankheiten haben kann und die Lebenserwartung verlängert, wurde inzwischen durch eine Reihe von Studienergebnissen belegt. Jetzt haben Wissenschafter herausgefunden, dass bestimmte in alkoholischen Getränken enthaltene Substanzen auch Osteoporose vorbeugen oder Fieberblasen zu Leibe rücken können. Auf der 22. Jahrestagung der "American Society for Bone and Mineral Research" präsentierten finnische Forscher von der Universität in Kuopio neue Studienergebnisse, wonach Frauen nach der Menopause, die pro Woche bis zu 15 mal alkoholische Getränke wie Wein, Bier oder Spirituosen trinken, deutlich weniger an Knochenschwund leiden als Abstinenzlerinnen. Zu diesem Ergebnis waren die Forscher gekommen, nachdem sie im Rahmen einer Langzeituntersuchung bei fast 1100 Frauen im postmenopausalen Alter die Knochendichte der Wirbelsäule und der Oberschenkelknochen in einem zeitlichen Abstand von sechs Jahren gemessen hatten. Die Untersuchungen brachten ein erstaunliches, wenn auch eindeutiges Resultat: Frauen, die überhaupt keinen Alkohol konsumierten, wiesen in der Wirbelsäule einen dreimal höheren durchschnittlichen Knochenschwund auf als Untersuchungsteilnehmerinnen, die pro Woche zwischen einem und sieben Drinks zu sich nahmen, und einen doppelt so hohen Knochenschwund als Frauen, die wöchentlich bis zu 15 Mal Alkohol tranken. Auch der durchschnittliche Schwund des Oberschenkelknochens sei bei den Nichttrinkerinnen am höchsten gewesen, berichtet die Gesundheitsdatenbank Reuters Health. Diese Ergebnisse seien "statistisch hochsignifikant", werden die finnischen Forscher zitiert. Dies sei um so erstaunlicher, als in der am meisten Alkohol trinkenden Gruppe 28 Prozent Raucherinnen waren, in der Abstinenzlergruppe hingegen nur 6,5 Prozent. Rauchen gilt jedoch als wichtiger Risikofaktor für Osteoporose. Rotwein-Inhaltsstoff gegen Herpes Ein Inhaltsstoff des Rotweins könnte bei Fieberblasen, die gegen herkömmliche Behandlungen resistent sind, Erleichterung verschaffen, berichten Forscher vom "Northeastern Ohio Universitiers College of Medicine". "Es hat sich gezeigt, dass dieser Inhaltsstoff des Rotweins die Vermehrung des Herpes-simplex-Virus stoppen kann", erklärte einer der Wissenschafter. Nachdem es gelungen war, diese Komponente zu isolieren und ihre chemische Struktur zu analysieren, wurde sie biotechnologisch modifiziert, um eine stärkere Wirkung zu erzielen. Im Labor wurden dann Zellen mit dem Herpes-simplex-Virus infiziert und mit der Rotwein-Komponente in Berührung gebracht. "Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass unsere Komponente den Virus in einer anderen Phase seines Lebenszyklus attackiert, nämlich in einer viel früheren als andere existierende Behandlungsmöglichkeiten", berichten die Forscher. Als nächster Schritt soll die neue Methode im Tierversuch getestet werden. Weintrinker leben länger Dänischen Forschern vom Institut für Präventivmedizin der Universität Kopenhagen haben vergangene Woche nach einem Bericht in Annals of Internal Medicine Studienergebnisse vorgelegt, wonach mäßiger Weinkonsum das Risiko verringert, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebsformen zu erkranken. Diese Ergebnisse basieren auf einer Untersuchung von 13.000 Männern und 11.500 Frauen, die zwischen 1964 und 1995 durchgeführt wurde. Studienteilnehmer, die moderat Alkohol konsumierten und sich dabei vor allem an rotwein hielten, so die dänischen Wissenschafter, lebten insgesamt länger als Total-Abstinenzler und erkrankten "signifikant" seltener an Krebs oder Herz-Kreislauf-Krankheiten. Verantwortlich dafür seien vermutlich die Antioxidantien und Flavonoide, die im Wein viel stärker enthalten sind als in Bier oder Spirituosen. Eine zusätzliche Rolle könnte auch der Lebensstil von Weintrinkern spielen, die sich insgesamt gesünder ernährten. (rbe)(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.10.2000, Seite 12)