Der tschechische Präsident Vaclav Havel ist wegen einer Gnadenentscheidung für zwei Journalisten in die Kritik geraten. Gegen die Zeitungsreporter war in der vergangenen Woche ein Ermittlungsverfahren wegen eines Artikels eröffnet worden, in dem sie über eine unsaubere Personalpolitik im Prager Regierungsamt berichtet hatten. Nachdem sie ihre Quellen nicht nennen wollten, gerieten die beiden ins Visier der Behörden. Daraufhin hatte Havel von einem in der Verfassung verankerten Recht Gebrauch gemacht und das Verfahren einstellen lassen. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Milos Zeman nannte den Schritt des Staatsoberhaupts eine "zweifelhafte Entscheidung". Auch mehrere Abgeordnete hätten Havels Gnade als "vorzeitig" kritisiert, berichtete der tschechische Rundfunk am Donnerstag. Die beiden Journalisten hätten sich ebenfalls für die Fortsetzung des Verfahrens ausgesprochen. Sie wollten ihre Unschuld vor Gericht beweisen. (APA)