Paris/Jerusalem - Israel hat das Verhalten des französischen Präsidenten Jacques Chirac auf dem jüngsten Pariser Nahost-Gipfel scharf kritisiert. Ein enger Berater von Ministerpräsident Ehud Barak, Ex-Geheimdienstchef Danny Yatom, warf Chirac am Freitag vor, den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat in letzter Minute von der Paraphierung eines Abkommens abgehalten zu haben. Der Elysee-Palast wies die Anschuldigungen zurück. General Yatom sagte im israelischen Rundfunk, Chirac habe Arafat überzeugt, dass er in den Verhandlungen mehr erreichen könne. Barak-Berater Gilad Sher, der ebenfalls an den Gesprächen am Mittwoch teilgenommen hatte, sagte, der französische Präsident habe Arafat ermuntert, die bereits einvernehmlich vertagte Frage nach der Einsetzung einer internationalen Untersuchungskommission wieder auf den Tisch zu bringen. Sher erklärte im Radio "France-Info", nach den Gesprächen am frühen Donnerstagmorgen im Elysee-Palast hätten sich Barak und Arafat fünf Minuten später treffen wollen. Doch der palästinensische Präsident habe in letzter Minute einen Rückzieher gemacht, "in Anwesenheit von Präsident Chirac im Elysee, um 00.30 Uhr". Baraks Mitarbeiter Yitzhak Herzog erläuterte auf Anfrage, da das Abkommen nicht paraphiert worden sei, habe der israelische Regierungschef darauf verzichet, an dem für Donnerstag geplanten Gipfeltreffen im ägyptischen Badeort Sharm el Sheikh teilzunehmen. Barak-Berater Sher berichtete weiter, bereits das erste Gespräch zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten und Chirac am Mittwochmorgen sei in einer sehr angespannten Atmosphäre verlaufen. Chirac habe Barak "einseitig und parteiisch" Vorwürfe gemacht und alle Fakten, die der Premier vorgebracht habe, einfach nicht zur Kenntnis genommen. Im Elysee-Palast hieß es dazu, die Anschuldigungen seien falsch, lächerlich und aus der Luft gegriffen. Wie die USA habe sich auch Frankreich den ganzen Mittwoch über für eine Entspannung und den Abschluss eines Vertrages eingesetzt. Diplomatische Kreise wiesen darauf hin, dass Chirac zum Zeitpunkt des angeblichen Rückziehers von Arafat eine Pressekonferenz abgehalten habe. (APA/AP)