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Wien - Die Plakataktion "Gesundheitskompetenz von 0 - 24 Uhr - Ohne Krankenschein" hat bei verschiedenen Ärzteorganisation zu teilweise heftigen Reaktionen geführt. Apotheken können Ärzte nicht ersetzen, da sie keine ärztliche Ausbildung hätten, so der Präsident des österreichischen Hausärzteverbandes (ÖHV) Christian Euler. Walter Dorner, der Präsident der Wiener Ärztekammer, kritisiert dabei auch den irreführenden Hinweis, dass im gesamten Bundesgebiet Apotheken rund um die Uhr offen hätten. Das treffe bestenfalls in Wien zu, am Land sei man aber noch weit davon entfernt. Drohung mit Staatsanwalt Dorner kritisiert aber auch den Beisatz "ohne Krankenschein". Dieser suggeriere den Patienten, dass es in der Apotheke irgendetwas billiger gebe: "Die Ärzte könnten ja im Gegenzug auch einmal offen diskutieren, ob manche rezeptfreien Medikamente nicht billiger und besser im Supermarkt zu verkaufen wären." Peter Hosiner, Präsident der ÖHV-Landesgruppe Wien, illustriert mit einerm Beispiel das ohnehin angespannte Verhältnis von Apothekern und Hausärzten: "Uns wurde ein Fall einer Patientin in Wien bekannt, die jahrelang bei ihrem Apotheker ein rezeptpflichtiges Schilddrüsenpräperat bei ihrem Apotheker gekauft hat und kürzlich mit einer lebensbedrohenden Schilddrüsen-Unterfunktion und Sekundärschäden ins Spital eingeliefert wurde. Wir lassen derzeit prüfen, ob der Fall dem Staatsanwalt übergeben wird". Apotheken verteidigen sich Für Gottfried Bahr, Präsident des österreichischen Apothekerverbandes , sind diese Äußerungen nicht nachvollziehbar. Er sehe in der Selbstmedikation einen raschen und direkten Arzneimittelzugang, der auch das Sozialversicherungswesen von Kosten entlasten soll. Die Diagnose- und Therapiehoheit der Ärzte stehe für die Apotheker weiterhin außer Frage. "Selbstverständlich birgt eine grenzenlose Ausweitung der Selbstmedikation auch Gefahren mit sich", so Bahr. "Apotheker sehen ihre Position als Mittler zwischen Arzt, Patient und Produktangebot. Ohne Zweifel ist es unsere Pflicht, bei Notwendigkeit dem Patienten zu raten einen Arzt aufzusuchen." Das unterscheide letztlich den Berufsstand von anderen Arzneimittelanbietern. (pte)