Falter: Herr Kleindienst, könnten Sie uns auch ein paar Daten verraten? Wer hat sie denn angestiftet, bei Andre Heller zu schnüffeln? Josef Kleindienst: Ich sag keine Namen. Das wäre jetzt kontraproduktiv. Ich habe bald ein Gespräch mit dem Leiter der Sonderkommission. Wenn ich den Eindruck habe, dass er aufklären will, dann sind bald alle Fakten am Tisch. Falter: Werden Sie dem SOKO-Leiter Namen nennen? Josef Kleindienst: Ich habe vereinbart, dass wir ein informelles Gespräch führen und dass darüber nichts an die Presse gehen wird. Ich werde auch ein Schreiben meines Anwaltes am Tisch legen, wo ich mich in manchen Punkten aufs Redaktionsgeheimnis berufen werde. Falter: Sie sind in allen Medien und auf sämtlichen Titelblättern. Hat sichs ausgezahlt? Josef Kleindienst: Wie ich das Buch geschrieben habe, bin ich nicht davon ausgegangen, dass die Datengeschichte so eine Riesensache wird. Für mich ist es viel unangenehmer von einem Polizisten verletzt, als beschnüffelt zu werden. Es verwundert mich ein bisschen, dass jene Kapitel im Buch, wo es um Rassismus, Prügel oder sexuelle Übergriffen geht, nicht so diskutiert werden, wie die Datengeschichte. Falter: Also diskutieren wir die Menschenrechtsveretzungen. Etwa im Fall Omofuma. Welche Aufträge hat nach dem Vorfall an die kleinen Beamten gegeben? Was wurde da von Ihnen erwartet? Josef Kleindienst: Bei Omofuma wurde eine Praxis (das Verkleben, Anm.) angewendet, die im Ressort ein jeder kannte. Vielleicht auch Schlögl - ich weiss nicht ob er es gewusst hat. Falter: Jeder hat es gewusst? Bis zum Polizeipräsidenten? Josef Kleindienst: Die Praxis war jahrelang gang und gäbe. Sie ist in Akten festgehalten. Da will einer sagen, er hat es nicht gewusst? Falter: Kam Druck von oben, den Mund zu halten? Josef Kleindienst: Mir hat ein Gruppenleiter im Innenministerium gesagt: „Noch steht das Haus hinter den Beamten“. Das kann man nur so interpretieren: Solange die Beamten das Haus nicht anpatzen, hilft ihnen das Ministerium. Falter: Ist im Fall Omofuma auch geschnüffelt worden? Josef Kleindienst: Bei Omofuma wurde sofort gesucht, ob man Hinweise auf Drogen findet. Falter: Auf legale Weise? Josef Kleindienst :Nein, und es wurden Politiker über das Ergebnis informiert. Falter: In wessen Auftrag? Josef Kleindienst: Ich weiss nicht, ob es einen Auftrag gegeben hat, oder ob es vorauseilender Gehorsam war. Falter: Auch Sie haben sich sehr für die Beamten stark gemacht. Josef Kleindienst: Das hab ich als Personalvertreter reflexartig immer getan. Ich habe nicht geprüft, wie die Verantwortung ist. Mit diesem Verhalten tut man niemandem was Gutes. Ich hab mich nicht der Wahrheit gestellt. Falter: Vor einem Jahr haben Sie geschrieben, bei der Polizei gäbe es keine Rassisten. Josef Kleindienst: Das war gelogen. Auch die Klagsdrohungen gegen Polizeikritiker waren ein Fehler. Das wurde bewusst so gemacht. Es sollte eine Einschüchterung für Kritiker sein. Falter: Wie gehts in der blauen Exekutivgewerkschaft AUF eigentlich so zu? Josef Kleindienst: Ein paar haben das Reden gehabt. Die anderen haben es getan. Falter: Sind Daten zwischen der AUF un der Wiener FPÖ hin und hergegangen? Josef Kleindienst: Ja es sind Daten hin und hergegangen. Falter: Geheime Daten? Josef Kleindienst: Ja, geheime Daten. Ich will aber keine Namen nennen. Die Geschichte ist sehr komplex. Wartet ab. Falter: Wurden auch kritische Journalisten bespitzelt? Werden Archive angelegt? Josef Kleindienst: Systematisch nicht. Punktuell schon. Falter: Wie ist das Verhältnis der AUF zur Kronen Zeitung? Wurden hier auch geheime Daten verschoben? Josef Kleindienst: Wollen Sie von mir hören, dass es strafbare Handlungen gibt? Spart Euch die Fragen! In der Krone geht es halt um Blut und Tränen und wenn man aktuell berichten will muss man wissen, was passiert ist. Dazu braucht man die Gerichte und die Exekutive. Falter: Nach Omofuma gab es die Operation Spring. Der streng geheime Lauschangriff wurde an die FPÖ verraten, damit sie mit „Machtlos gegen 1000 Nigerianer“ in der Krone werben konnte. Wer hat die FPÖ informiert? Josef Kleindienst: Die Information kam aus der Polizei. Nicht von höherer Ebene, sondern aus der mittleren Führungsebene. Falter: Welches Verhältnis hatten Sie zu FP-Klubobmann Peter Westenthaler? Wieso reagiert er so aufgebracht? Josef Kleindienst: Ich glaube es ist jetzt keine angenehme Situation für ihn. Falter: Hat er dazu angestiftet Daten herzugeben? Josef Kleindienst: Wir verschwenden unsere Zeit. Aber vielleicht sollte ich doch was sagen: Ich kenne bei Westenthaler keinen Fall, wo er einen Polizisten um Informationen ersucht hat. Falter: Schlafen Sie noch gut? Josef Kleindienst: Sehr gut schlaf ich nicht. Aber ich habe keine Angst. Würde mir auch nichts nützen. Selbst wenn ich in die Südsee flüchte, werde ich nicht dem entkommen, was ich gemacht habe. Es gibt einen freiheitlichen Justizminister. Wir kennen die Prozesse, wie sie ausgegangen sind und wie sie ausgehen hätten sollen. Falter: Was war Ihr Schlüsselerlebnis, über die Polizei auszupacken? Josef Kleindienst: Ein Schlüsselerlebnis waren die Bedrohungen gegen mich, wie ich mein erstes Buch (Über Verkehrssünder, Anm.) geschrieben habe. Ich habe am eigenen Leib erlebt, wie es ist, wenn man auf einmal der Polizei ausgeliefert ist. Mich haben Kollegen bedroht. Da wird einer vom Staat bezahlt, ausgebildet, hat Macht und Bewaffnung vom Staat. Und dann setzt er alles ein, um andere zu bedrohen! Da fiel mir wie Schuppen von den Augen, in welche Situation ein jeder jederzeit kommen kann, solange es Polizisten gibt, die diese Grenze überschreiten. Vorher war mir das lange egal. Später war es mir einfach nicht bewusst. Falter: Was war der schlimmste Fall, den sie erlebt haben? Josef Kleindienst: Ich hätte fast gekündigt, wie ich als junger Polizist im Schulwachzimmer gesehen hab, wie einer verdroschen wurde. Ich habe keine Freude, mir diese Szene ins Gedächtnis zu rufen. Der Mann war frech, wie man so schön sagt . Er hat den Ärger eines Kollegen erregt. Irgendwann hat er vom Polizisten Watschen bekommen. Das hat sich so gesteigert, bis sich mehrere Kollegen eingemengt haben und ihn so richtig niedergetreten haben. Er ist dann in seinem Blut dort gelegen. Falter: Passiert das heute noch? Josef Kleindienst: Seltener. Aber ich höre von solchen Fällen. Erst unlängst ist so etwas im Zuge einer Festnahme passiert. Falter: Wieso haben sie nicht gekündigt? Josef Kleindienst: Ich habe mich daran gewöhnt. Es war für mich irgendwann einmal normal. (Der Falter )