Palma - In mediterranen Ländern leiden Menschen weniger an Depressionen, Selbstmordraten sind geringer als zum Beispiel in Nordeuropa. "Und das liegt nicht nur an der Sonne", betonte David Colquohoun von der Universität von Queensland in Australien bei einem am Wochenende in Palma de Mallorca zu Ende gegangenen Ernährungskongress. Auch "richtiges" Essen verhelfe zu gesteigerter Lebensfreude, sagte der Experte. Empfohlen wird "sonnige Kost" wie Fisch, Gemüse, Salate und Ballaststoffe. Als "Fettquelle" sollte Olivenöl dienen. In einem noch laufenden Versuch haben Colquohoun und sein Team 34 an Depressionen leidenden Patienten zwei Diäten angeboten: entweder Kost aus dem mediterranen Raum oder "normale" australische Küche. "Wir waren überrascht, dass sich bei jenen, die sich für eine Ernährungsweise mit weniger Fleisch und dafür mehr Fisch, Früchten, Nüssen, Getreide, Hülsenfrüchten etc. entschieden haben, schon in drei Monaten die Stimmung gebessert hat", so der Universitätsprofessor am Rande der "Internationalen Konferenz über Mediterrane Ernährung". Doch auch bei der Prävention einer ganze Reihe von physischen Krankheiten spielt die mediterrane Küche ein große Rolle: "Herzinfarkt ist nicht nur in Österreich die mit Abstand häufigste Todesursache", führte Mediziner Gerd Assmann von der Uni Münster aus. "Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren wie erhöhtes LDL-Cholesterin, Übergewicht und Diabetes, auf die Ernährung einen großen Einfluss hat." Vor allem auf tierische Fette sollten Konsumenten verzichten und stattdessen Olivenöl verwenden. Für eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten setzt sich auch Barbara Levine von der Cornell Universität (USA) ein: "Wir sind zu weit gegangen in Sachen Fast Food, Lebensmittelzusätzen und Fertiggerichten", sagte die Wissenschafterin in ihrem Vortrag. "Wir verlieren den Bezug zu authentischem, frischem Essen, wie man es auf Bauernmärkten findet." Dabei sei es leicht, gesunde Kost zu einer wahren Gaumenfreude aufzubereiten: "Bei Verwendung von Gewürzen verwandeln sich geschmacksneutrale Zutaten zu etwas Delikatem. Den langweiligen Eisbergsalat und das Flaschendressing kann man z.B. gegen Blattspinat mit Rotweinessig und Olivenöl mit einer Prise Cayenne eintauschen." Für das Wohlbefinden hat David Colquohoun weitere einfache Tipps parat: "Gehen Sie täglich 20 Minuten spazieren, das steigert die Stimmung ungemein. Für ältere Patienten ist es wichtig, Pläne für die Zukunft zu schmieden." Von "völliger Enthaltsamkeit" hält der Fachmann übrigens nichts: "Wenn man sich überwiegend gesund ernährt, bedeutet das nicht, dass man völlig auf das Schnitzel verzichten muss! Hie und da eine 'Fiesta' schadet nicht." Auch gegen moderaten Alkoholkonsum sei nichts einzuwenden: "Aber das mit dem 'gesunden Rotwein' haben uns wahrscheinlich die Franzosen eingeredet. Bier hat wohl die gleiche Wirkung - nur zu viel sollte es nicht sein." (APA)