Wien - Der Wiener Regisseur Stefan Ruzowitzky (38) ist am Mittwoch Abend für seinen mehrfach preisgekrönten Heimatfilm "Die Siebtelbauern" mit dem Erich-Neuberg-Preis ausgezeichnet worden. Mit "Die Siebtelbauern" (1997/98) gelang dem damals 36-jährigen Ruzowitzky einer der international meistausgezeichneten österreichischen Filme. Er spielt in einem Mühlviertler Dorf in den frühen 30er Jahren, in dem sieben Knechte und Mägde den Hof ihres erschlagenen Herrn erben. Gegen die Anfeindungen der alteingesessenen Bauernschaft lernen die Dienstboten, frei und selbstverantwortlich zu leben. In den Hauptrollen agieren unter anderem Ulrich Wildgruber, Simon Schwarz, Tilo Prückner und Sophie Rois. In der Begründung der Jury zum Erich-Neuberg-Preis, in der die Preisträger der beiden vergangenen Jahre, Johannes Fabrick und Harald Sicheritz, sowie Werner Swossil vom ORF saßen, heißt es: "Stefan Ruzowitzky gelang es, aus einem kleinen Fernsehspiel einen internationalen Kinoerfolg zu machen. Es entstand ein faszinierender 'Heimatfilm', der das negativ besetzte Genre dadurch rehabilitiert, dass er ihm die großen Kategorien des Kinos zurückgibt." "Ich habe mir gedacht, was wollen die denn noch?" "Österreich ist von seiner Tradition her kein Filmland, sondern ein Theater- und Opernland. Hier kann man mit dem sprichwörtlichen Taxifahrer über Claus Peymann und die Salzburger Festspiele reden, aber nicht über Filme," resumierte Ruzowitzky im Anschluss: "Ich mache da ein kleines Fernsehspiel, und das wird der erste österreichische Film, der in Amerika gezeigt wird und beim New York Film Festival eingeladen ist und ich weiß nicht wieviele Preise gewonnen hat - und in Österreich läuft das so unter Vermischtes. Ich habe mir gedacht, was wollen die denn noch?" Im Ausland habe sein Film auch Diskussionen ausgelöst. "Da hieß es zum Beispiel, jetzt verstehen wir, warum in einer solchen Gesellschaft der Nationalsozialismus entstehen konnte. Und ich wurde von Journalisten gefragt, wie ist denn die Diskussion darüber in Österreich? Tja, es gab keine." Daher könne man auch politisch in Österreich mit Film nicht punkten. "Mittlerweile müsste jedem Politiker klar sein, dass Film, wie es einmal im 'Spiegel' stand, das 'Öl des 21. Jahrhunderts' ist. Die ganzen audiovisuellen Medien sind ein Markt, der explodiert. Das sind intelligente Produkte, die die Umwelt nicht verdrecken. Da nicht hinein zu investieren, ist grob fahrlässig oder dumm, gerade bei einem kleinen Land wie Österreich. Das würde ja mittel- und langfristig hundertfach zurückkommen." "All the Queen's Men" auf der Jagd nach der Enigma Ausserdem sprach Ruzowitzky über sein jüngstes Projekt "All the Queen's Men", das er gerade als Koproduktion und auf englisch in Wien fertig gedreht hat: "Eine Gruppe alliierter Soldaten geht nach Berlin, um die Enigma zu stehlen. Das ist die berühmte Codiermaschine der deutschen Wehrmacht, mit der sie Nachrichten hin und her geschickt haben, die niemand entschlüsseln konnte. Diese Enigma wird in einem Betrieb hergestellt, in dem nur Frauen arbeiten. Deswegen müssen sich unsere Helden als Frauen verkleidet 1944 durch Nazi-Deutschland bewegen. Das historisch Verbürgte daran ist, dass die Alliierten zu Kriegsende wirklich als Frauen verkleidete Männer nach Deutschland geschickt haben, weil es einfach in Deutschland keine Männer mehr gab und es viel leichter war, verdeckt als Frau sich in Deutschland zu bewegen." Der neue Film kommt voraussichtlich nächsten Herbst ins Kino. Wo, ist noch völlig offen. "Je größer der Film ist, desto weniger Einfluss habe ich als Regisseur auf irgend etwas, das mit der Vermarktung zu tun hat. Es gibt ja auch genug Filme, die werden von Studios gekauft, um sie in Regalen verrotten zu lassen." Ein kleines Handicap wird der Film tragen müssen: Das Thema "Enigma" ist zur Zeit ziemlich verschlissen... (APA)