Linz - Wie könnten wir übermorgen wohnen? Dieser Frage geht die Ausstellung "Future Vision Housing" nach, die am 13. Oktober im Linzer O.K. Centrum für Gegenwartskunst eröffnet wird. Die Antworten stammen von Architekten unter 35, rund 360 Jungbaukünstler aus aller Welt haben sich am Ideenwettbewerb beteiligt. Auslober waren Herbert Lachmayers Art & Tek Institute sowie das Architekturforum Oberösterreich. Organisatorin Margit Ulama: "Wichtig war eine konzeptuelle Fragestellung als Basis, die Teilnehmer sollten akute Probleme aufgreifen und nicht übliche Wohnbauprojekte liefern." Die 360 Entwürfe geben einen erhellenden Überblick über Visionen und Denkschemata der kommenden Architektengeneration. Die nimmt ungeniert Anleihe bei Vorvätern aus den 60ern. Pneumatische Konstruktionen, Kapseln, Wohnmaschinen sind hip, aber auch Computerentwürfe und die offen deklarierte Bereitschaft, mit der Industrie zusammenzuarbeiten. Doch was früher Ausbruch sowohl in gesellschaftliche als auch räumliche Freiheit hätte sein sollen, ist heute Mittel zum Zweck des Geldverdienens. Viele Manifeste sind primär Verkaufskataloge. So räumten etwa Christine Esslbauer, Christine Horner, Tibor Tarcsay und Christoph Hinterreitner aus Wien den ersten Preis mit einem fingierten Fertighausprospekt ab. "Today I feel like a Rose" heißt es da, und sowohl Hausbesitzerin als auch Gebäude haben sich in ein rosarotes Blumengewand geworfen, die veränderbare Hochtechnologiehaut des Hauses macht's möglich. Solid - we don't build houses , so der Titel des Beitrags. Der zweite Hauptpreis geht an die Wiener Gruppe alles wird gut . Sie hat mit urbansushi ein Wohnmöbel entwickelt, das erst einmal - no na - in Form eines prächtigen Prospekts auf den Markt kommt. Ohne Computerrendering geht heute nichts mehr. Auch der dritte Preis (Team TTT&T aus Berlin) raffiniert schon Dagewesenes: ein "pharmazeutisches Produkt", eine "Wohnpaste" verändert bei Auftragen auf die Haut die Wahrnehmung von Räumen. Das wirkungsvolle Pendant früherer Zeiten hieß LSD. Wie es das Credo der 60er war, "dagegen" zu sein, sind die 00er mangels Feindbilder "dafür". Ältere kampferprobtere Architektensemester werfen den Jungen denn auch Jasagertum vor, aber die kommerziell talentierten Jungen sind ja Teil ihres Vermächtnisses, die Revolution hat ihre Kinder verdaut und toughe Geschäftsleute ausgespuckt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 10. 2000)