Hamburg/Bochum - "Er ist sehr nachdenklich, aber sehr aufgeschlossen und gesprächig. Aber es ist furchtbar: Er ist ein sehr starker Raucher, der immer Wolken um sich herum hat", erzählte Tienchi Martin-Liao, eine am Donnerstag in Bochum befragte langjährige Bekannte, über den neuen Literatur-Nobelpreisträger Gao Xingjian. Tienchi Martin-Liao ist Expertin für chinesische Literatur und die Chefübersetzerin der Fakultät für Ostasienwissenschaften an der Universität Bochum. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem 1999 gestorbenen Lehrstuhlinhaber für Ostasienwissenschaften Helmut Martin, hatte sie die deutschen Ausgaben Gao Xingjians erarbeitet. Favorit aus chinesischer Sicht wäre für sie allerdings jemand anderer gewesen: "Wir sitzen seit Jahren zur Vergabe des Preises hier zusammen und setzten darauf, dass der Schriftsteller Bei Dao den Preis erhält". Von der andauernden Unterdrückung des freien Geisteslebens in China sei Gao Xingjian stark enttäuscht: "Er gehört zur Generation der Kulturrevolution." Viele seiner Ideale seien durch die Machthaber in Peking enttäuscht worden. Inzwischen habe Gao Xingjian - anders als viele andere geflohene Regime-Kritiker aus China - das Exil-Schicksal akzeptiert: "Er befindet sich in Harmonie mit seinem neuen Leben in Frankreich und reist viel". (APA/dpa)