Wien - Rachel Whiteread, 1963 in London geborene Bildhauerin, war zwei Wochen vor der feierlichen Enthüllung am 25. Oktober in Wien, um die letzten Arbeiten am Umfeld ihres bereits seit Monaten fertig gestellten Holocaust Mahnmals am Wiener Judenplatz zu besichtigen. "Ich habe die letzten Jahre nicht genossen. Die Diskussionen haben mich mitgenommen. Aber ich bin sehr stolz, dass das Mahnmal nun der Öffentlichkeit übergeben wird." Wichtig ist Rachel Whiteread, dass sie mit ihrem Mahnmal dem Betrachter keine Interpretation des Monuments einer nach Außen gewendeten Bibliothek vorgibt und viel Raum lässt für eigene Gedanken, "je mehr, desto besser. Die Leute müssen ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen." Zur österreichische politischen Situation, die sie mit Interesse verfolgt, will sie sich nicht explizit äußern: "Ich denke, das Mahnmal ist Statement genug." "Für mich ist immer nur der Standort Judenplatz in Frage gekommen", sagt die Künstlerin zu diesbezüglichen Diskussionen, "die Dimension des Mahnmals nimmt Bezug auf die Wohnungen der umgebenden Häuser. Und der Bezug des Mahnmals zu den Ausgrabungen und zum Misrachi-Haus war mir immer wesentlich." Im Misrachi-Haus wird in einem Ausstellungsraum das Projekt und Whitereads auch ihr restliches Werk prägende Arbeitsweise der Abgüsse von Gegenständen des alltäglichen Lebens, die durch ihre inverse Darstellung in anderen Materialien neu hinterfragt werden, vorgestellt. (APA)