Bochum - Jeder dritte Kunde verläßt das Kleidergeschäft, ohne etwas Passendes gefunden zu haben. Maßanzüge aus dem Computer sollen nun den Traum vom passenden Outfit für jedermann erschwinglich machen. Kostet ein durchschnittlicher Anzug in Deutschland umgerechnet rund 2.800 Schilling, so soll der Maßanzug aus einem rechnergesteuerten Bodyscanner ab umgerechnet rund 3.500 Schilling zu haben sein. Dies ist ein Ergebnis einer vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie, die am Donnerstag in Bochum vorgestellt wurde. Das neue Verfahren könnte der Textilbranche nach der nun vorgelegten Untersuchung erhebliche zusätzlich Absätze bringen. Der Bodyscanner ist eine mit Kameras ausgerüstete Kabine, in der die Konturen der Kunden zentimetergenau aufgezeichnet werden. Ein Computer errechnet daraus passende Schnitte. Anzüge, Hosen und Kostüme können dann maschinell hergestellt werden. Zusammen mit dem Aachener Institut für Nähtechnik und der Bochumer Eco Textil GmbH befragte die Forschungsstelle für Textile Marktwirtschaft der Universität Münster rund 1.200 Kleiderkäufer und 100 Unternehmen zu den Chancen des Bodyscanners. Bei knapp drei Millionen Anzügen, die in Deutschland im Jahr verkauft werden, rechnen die Forscher mit deutlichen Zuwächsen in der Textilbranche durch das neue Verfahren. Doch nicht nur die individuelle Paßgenauigkeit soll die Kunden zum Maßnehmen locken. "Wenn einer schon ein paar Mark mehr ausgibt, möchte er vielleicht auch Typen-, Farb- oder Anlaßberatung haben", sagt Joachim Hantusch, Geschäftsführer von Eco Textil. Per Knopfdruck könnte der eingescannte Kunde in wechselnden Modellen und Farben auf einem Bildschirm erscheinen und mit dem Händler das schönste Stück heraussuchen. Den Modeschöpfern wollen die Forscher dabei keine Konkurrenz machen. "Wir fangen mit Standardschnitten an", sagt Hantusch. Doch die Software sei ausgereift genug, um modische Schnitte mit den Kundendaten aus dem Bodyscanner zu variieren. Auf eine breite Markteinführung müßten sich die Kleider- und Textilproduzenten allerdings erst einstellen: Aufgrund der einzelnen Bestellungen müßten sie die passenden Stoffe einkaufen und das fertige Stück in wenigen Tagen liefern können. Die Produktion auf Bestellung soll so in der Textilbranche Einzug halten. Wie das funktioniert, soll nun in einer Probephase herausgefunden werden. Einer der umgerechnet rund 2,1 Millionen Schilling teuren Bodyscanner soll dazu bei einem nordrhein-westfälischen Händler aufgestellt und durch Werbung bekannt gemacht werden. Einige Kleiderproduzenten sollen die passenden Maßanfertigungen liefern. Dann zeigt sich auch, wie die Kunden auf den chipgesteuerten Schneider reagieren: Damit der Körper optisch exakt abgetastet werden kann, müssen sie sich ausziehen und etwa zehn Minuten bewegungslos verharren. (Basil Wegener/dpa)