Die schottische Künstlerin Sarah Tripp reagiert mit der Arbeit "Stigmata" auf die mythenbildende Kraft der medialen Strahlung. Sie richtete im Rahmen von RE_public (zur Wahrung des Öffentlichen im Öffentlichen) beim Steirischen Herbst am Samstag, dem 14.10., einen Martin Luther King Pavillon ein. Er besteht aus einer Videodokumentation des Freiheitskämpfers und zwei Schminktischen. Dort hat das Publikum die Möglichkeit, sich prominente Schusswunden von King ins Gesicht schminken zu lassen. Durch den Schminkvorgang, bei dem die Wunde nach und nach auf dem Gesicht erscheint, entsteht eine Vereinnahmung, eine Identifikation mit Martin Luther King. - Das Stigma beginnt zu wirken. Sarah Tripp nutzt die Technik des Films und schafft gleichzeitig mit dem Schminken der Schusswunde eine Annäherung an das Authentische und Reale. Die filmische Wiederholung der Verwundung wird erlebbar - in drastischer Langsamkeit. Man kann aber sicher sein, dass die Überschneidung niemals stattfindet. (red)