Marburg - Psychologen der Universität Marburg kamen anhand mehrerer Tests und Untersuchungen zu der Erkenntnis, dass Blinde nicht nur besser hören als Sehende, sondern auch schneller denken. Brigitte Röder, Psychologin in Marburg und ihre Kollegen von der Universität Oregon in Eugene untersuchten - einem Bericht des Magazins New Scientist zufolge - an einer größeren Probandengruppe, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder ob Blinde allgemein Sprache schneller verstehen und verarbeiten können. Blinden und sehenden Versuchspersonen wurden Sätze vorgespielt, deren letztes Wort im Satzzusammenhang entweder einen Sinn oder keinen Sinn ergab. Ein Elektroenzephalograph zeichnete die Gehirnwellen der Blinden und der Sehenden auf, während sie die Entscheidung trafen, ob der Satz einen Sinn hatte oder nicht. Ein bestimmtes Gehirnwellenmuster, das anzeigt, wenn das Gehirn Bedeutungen analysiert, und das als N40-Signal bekannt ist, trat bei Sehenden erst 150 Millisekunden nach dem Ende des gesprochenen Satzes auf. Bei den blinden Versuchspersonen hingegen zeigte sich das N40-Signal schon nach der Hälfte dieser Zeit. Ein Grund für die schnellere Sprachverarbeitung der Blinden könnte sein, so mutmaßen die Wissenschaftler, dass bei Blinden Regionen im hinteren Teil des Gehirns, die bei Sehenden für die Verarbeitung visueller Reize zuständig sind, gewissermaßen annektiert wurden von jenen Arealen, die für Sprachverarbeitung und die Verarbeitung auditiver Reize zuständig sind - damit sie mithelfen, die Sprachverarbeitung zu beschleunigen. Die Studie erschien in der Zeitschrift "Neuropsychologica". (pte)