Wien - Die in den letzten Monaten in der Szene notorisch gestellte Frage, wann denn jenes Projekt, das in der Fledermaus begann und später zwischen RadioKulturhaus und Museumsquartier pendelte, endlich dort Programm machen wird, wo es eine neue, aber umzubauende Bleibe fand, nämlich im Rondell-Kino, kann nun beantwortet werden: Der Jazzclub Porgy & Bess sperrt am 28. Dezember auf - und zwar mit einem mehrtägigen Fest. "Wir sind zwar nicht fertig mit der Renovierung - eigentlich ist es ja ein Neubau -, aber wir sperren auf", sagt Christoph Huber, der künstlerische Leiter des Clubs, und zählt gerne das Eröffnungsprogramm auf. "Wir präsentieren eine heimische und eine osteuropäische Formation am ersten Tag, am zweiten werden bis in den frühen Morgen 20 Formationen jeweils 30 Minuten spielen. Und am dritten Abend wird Albert Mangelsdorff da sein." Danach kommt Silvester und bringt das Vienna Art Orchestra zweimal mit dem Strauß-Programm, und groß besetzt geht es weiter, denn zum Festfinale taucht das Gil-Evans-Orchestra auf; gefolgt von der US-Combo Sex Mob - schließlich "war das hier ein Pornokino", mein Huber natürlich völlig ernst. Auch Kredite Alles hätte durchaus schon viel früher passieren können. "Ich hatte schon ein fertiges Herbstprogramm, musste aber alles absagen. Wir hingen plötzlich in der Luft, da die neuen Verantwortlichen beim Bund meinten, die längt beschlossenen 15 Millionen Schilling für den Umbau seien nicht budgetiert. Das Geld kommt jetzt in mehreren Etappen, wir müssen Kredite aufnehmen." Das Ganze kostet übrigens 25 Millionen, "wobei die Stadt Wien mit 3,5 Millionen dabei ist. Der Rest kommt von privater Seite", sagt Huber, der finanziell persönlich für alles haftet und über gute Nerven verfügen muss. Denn leicht wird es nicht. Der Raum bietet 350 Besuchern Platz, das Jahresbudget wird 13 Millionen betragen, aber die öffentliche Hand steuert nicht mehr als drei Millionen jährlich bei. "Die Eigendeckung muss also bei 80 Prozent liegen; die Kartenpreise werden aber zwischen 120 bis maximal 200 Schilling betragen. Und kommerziell programmieren werde ich sicher nicht", sagt Huber, dem als Kuratoren auch Sängerin Elfi Aichinger, Ex-Konzerthaus-Dramaturg Rainer Lepuschitz und Christof Kurzmann zur Seite stehen werden. Das Programm? Es wird Porträts von Michael Mantler, Dave Holland und Dave Liebman geben. Und es ist möglich, dass John Scofield spielt. Auch Porträts mit Bill Frisell und Wynton Marsalis "wären wünschenswert. Abgesehen vom eher unerschwinglichen Sonny Rollins kann ich mir alles Mögliche vorstellen. Ich will auch Cecil Taylor und Ornette Coleman in den Club bringen", sagt Huber. Grundsätzlich muss der Club flexibel bleiben, um jederzeit auf neue Strömungen reagieren zu können. "Wir wollen ein Ort der Qualität mit toller Infrastruktur sein und nicht einem bestimmten Stil verhaftet bleiben." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 10. 2000)