Porträt: Oliver Schopf
Sie erkannte als Erste, welche Bedeutung ein von drei Tiroler Wissenschaftern für die Evolutionsforschung entwickeltes Genanalysegerät für die Frauen haben könnte: Teresa Wagner, Professorin und Leiterin der Forschungsgruppe für erblichen Brust- und Eierstockkrebs am AKH Wien. Doch keiner wollte ihr glauben - bis sie die Leistungsfähigkeit der schnellen, preiswerten Methode jetzt auf dem Umweg über Amerika - beim Human Genetics Congress in Philadelphia - nachweisen konnte. Und damit gerade international Furore machte. "Um ein solches Projekt österreichweit verwirklichen zu können, braucht es viel Durchhaltevermögen, Unterstützung und Teamarbeit", sagt Teresa Wagner, "aber ich bin es gewöhnt zu kämpfen." Selbstironisch fügt sie hinzu: "Und bei manchen deshalb gefürchtet." Geboren wurde Teresa Wagner 1962 in Alpen am Niederrhein im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Ihr Vater war Universitätsprofessor für Sprachwissenschaft. Sie selbst wollte von Anfang an eine Facharzt- ausbildung machen und in der Forschung arbeiten. Also studierte sie Medizin in Berlin und Wien. 1987 kam sie ans AKH und beschäftigte sich fortan mit Bildanalyse, Flow-Zytometrie (einer DNS-Bestimmung von Tumoren) und DNA-Analyse - alles im Rahmen der Brustkrebsforschung. 1991/92 ging sie nach Holland zu einem Forschungsaufenthalt bei Bas Ploem, dem Erfinder der Fluoreszenzmikroskopie. Als in den Jahren 1994/95 zwei Brustkrebsgene (BrCa1 und BrCa2) entdeckt wurden, wagte Teresa Wagner mit ihrem Team schließlich "den großen Sprung in die molekulargenetische Diagnostik". Seither sitzt sie auch in wichtigen internationalen Gremien für familiären Brust- und Eierstockkrebs. Neben allen Forschungsaktivitäten machte Wagner ihre Facharztausbildung zur Frauenärztin und behandelt heute "ganz normal" Patientinnen - Spezialgebiet Brustoperationen. Dafür war sie gerade fünf Monate lang in Düsseldorf bei einem "Star der Brustkrebsrekonstruktion" zur Weiterbildung. Im vergangenen Mai habilitierte sie sich zum Thema "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs". Gibt es bei so viel Arbeitseinsatz auch noch ein Privatleben? "Ja, ich bin verheiratet", sagt Wagner, "und das sehr gern. Wahrscheinlich trifft es sich gut, dass mein Mann meine Arbeit voll und ganz unterstützt." Wie hat es die selbstbewusste, freimütige Frau geschafft, Erfolg zu haben? "Ich habe immer viel gearbeitet, wissenschaftlich und praktisch, und das wurde von meinem Umfeld, vor allem Institutsvorstand Ernst Kubista, honoriert. Außerdem habe ich ein Motto, das ich herzlich weiterempfehlen kann: sein Hirn benutzen und sich nichts gefallen lassen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.10.2000, Heide Korn)