Die Steiermark wird der FPÖ bis auf weiteres als Unruheherd wohl erhalten bleiben. Mehr als sieben Stunden, bis zwei Uhr früh dauerte von Dienstag auf Mittwoch die "Überzeugungsarbeit" von Parteichefin Susanne Riess-Passer und Klubchef Peter Westenthaler, ehe Generalseketärin Theresia Zierler als künftige steirische Landesrätin parteiintern installiert werden konnte. Dies mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass nicht geheim, sondern offen abgestimmt wurde, wobei sich sieben Bezirksobmänner der Stimme enthielten. Parteichefin Susanne Riess-Passer zeigte sich im Anschluss "zufrieden, dass die Landesgruppe "zur Gemeinsamkeit gefunden hat". Es existiert aber noch eine andere, wesentlich dramatischere Interpretation dieser Grazer Krisensitzung. Demnach sei die bisherige Landesrätin Magda Jost-Bleckmann regelrecht "abmontiert" worden. Eine starke Gruppe in der FPÖ hatte sich im Vorfeld der Sitzung gegen Zierler und für Bleckmann als neue Landesrätin stark gemacht. Es habe, so ein Sitzungsteilnehmer zum STANDARD, offene Plädoyers für Bleckmann von mehr als der Hälfte des Parteivorstandes gegeben. Daraufhin habe Westenthaler und Riess-Passer zu einer lautstarken Kopfwäsche angesetzt, die Sitzung sei unterbrochen worden. Nach einer Aussprache mit der Parteichefin habe Magda Bleckmann weinend ihren Anspruch auf den Landesratssessel zurückgezogen. Nach eindringlichen Appellen der Parteiführung sei schließlich Zierler - mangels Gegenkandidatin - gewählt worden. Ein weiterer Sitzungsteilnehmer: "Diese Diktion von oben wird die Revolution von unten nur fördern. Hier ist noch lange nicht Ruhe." Theresia Zierler gestand gegenüber dem STANDARD ein, dass "natürlich noch nicht alles vorbei ist". Die Landesrätin in spe: " Es hat harte Worte gegeben. Aber das war notwendig, denn klar ist, dass wir alle viele Fehler gemacht haben. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir in Zukunft gut zusammenarbeiten werden. Magda Bleckmann ist ja auch im Regierungs-Verhandlungsteam." Wer den Klubvorsitz im steirischen Landtag übernehmen wird, wurde in der Sitzung nicht geklärt. Auch hier hatte Magda Jost-Bleckmann aufgezeigt, zumal sie diese Funktion bereits einmal ausgeübt hatte. Dem Vernehmen nach soll sie aber auch hier auf eine Kandidatur verzichtet haben. Offen ist auch nach wie vor, wer die Landespartei übernehmen wird. Als geschäftsführender Parteiobmann wurde der öffentlich kaum in Erscheinung tretende Grazer Vizebürgermeister Peter Weinmeister eingesetzt. Er soll den jetzigen Parteichef, Minister Michael Schmid "entlasten", der zugab, er habe die Situation falsch eingeschätzt. Die Partei von Wien aus zu führen, sei nicht in dem Ausmaß geglückt, "wie es die Funktionäre gewohnt sind". (Walter Müller - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 19.10.2000)