Wien - Eine Krankheit, die zu wenig beachtet, zu spät diagnostiziert und dann auch noch schlecht behandelbar ist: die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). An die 30 Prozent der Raucher rutschen in dieses Leiden ab, das mit der Lungenblähung (Empyhsem) in einem qualvollen Tod enden kann. "Wir kennen diese Erkrankung seit Jahrzehnten. Die COPD ist eine schleichende Katastrophe", sagte am Freitag der Wiener Spezialist Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Pohl bei einem Medienseminar zu diesem Thema. Pohl, Oberarzt an der 2. Medizinischen Abteilung (Lungenerkrankungen) am Wiener Wilhelminenspital unterstrich drastisch die globale Bedeutung dieser chronisch entzündlichen Erkrankung der Bronchien, die zur irreversiblen Schädigung des Gewebes und zum fortschreitenden Abbau der Lungenfunktion führt: "Das wirkliche Problem ist, dass wir diese Erkrankung nicht im Griff haben. Weltweit leiden rund 600 Millionen Menschen daran. Pro Jahr gibt es ungefähr drei Millionen Tote." Während die COPD 1990 noch die sechsthäufigste Todesursache war, wird sie im Jahr 2020 bereits an dritter Stelle der "Killerliste" liegen. Die Ursache des Leidens Zumeist durch den Tabakkonsum (90 Prozent der Patienten sind Raucher, 30 Prozent der Raucher erkranken daran) kommt es zu einer chronischen Entzündung in den Bronchien durch Einwanderung bestimmter Entzündungszellen (neutrophile Granulozyten und Makrophagen). Läuft dieses Programm einmal an, sind irreversible Veränderungen am Lungengewebe die Folge. Lungenbläschen werden zerstört. Weiters gewinnen jene Proteasen-Enzyme die Oberhand, welche das Elastin (elastische Fasern) abbauen. Am Beginn steht die Bronchitis mit Schleimbildung und Husten, dann folgt die klassische COPD und schließlich die Lungenblähung. Pohl bei dem Seminar, das von der GlaxoWellcome Academy organisiert wurde: "Die frühen Symptome werden von den Patienten bagatellisiert und negiert. Im fortgeschrittenen Stadium sitzt der Betroffene zu Hause vor dem Sauerstoff und kann nichts mehr tun." Schon bei leichtester Belastung oder gar im Ruhezustand kommt es zu Atemnot. Von Lebensqualität ist sprichwörtlich nichts mehr zu spüren. Früher zum Arzt! Das Problem ist der "Kopf" der Raucher. Sie verweigern oft viele Jahre lang den Gang zum Arzt. Der Lungenfacharzt: "Jeder der über längere Zeit hinweg hustet, sollte vom Arzt seine Lungenfunktion prüfen lassen. Ein Raucher, der Husten hat, sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen." Die wichtigsten Behandlungsstrategien: Rauch-Stopp (das bremst den weiteren Abbau der Lungenfunktion), so genannte Beta-Mimetika (Bronchodilatoren, welche die Bronchien erweitern) und inhalierbares Cortison. Neben einer moderaten Verbesserung der Lungenfunktion bringt das oft eine stark erhöhte Lebensqualität. Körperliches Training verlängert die Lebenserwartung auch noch in einem späten Stadium. Was allerdings am Horizont auftaucht, sind neue Behandlungsstrategien: In Erprobung an Patienten befinden sich so genannte Protease-Inhibitoren. Sie sollen die gewebeabbauenden Enzyme in der Lunge hemmen. (APA)