Salzburg - Was kann und darf man nicht alles mit einem Volkstheaterstück anstellen, wenn man nur Mut, Fantasie und die richtigen "Darsteller" sein Eigen nennt! Das findige, auf schmalsten Weltbühnenbrettern heimische Wiener Kabinetttheater kümmert sich in eigener Erzählfassung um Strawinskys Geschichte vom Soldaten, verlegt das Märchen in ungeahnte Räume. Hier gewinnt die rührselig-makabre Geschichte Turandot-Schärfe im Bonsai-Format. Und es bleibt offen, ob der Teufel den Soldaten auch wirklich holt. Die Wiener Puppen und ihre zum Teil leibhaftig agierenden Spielführer gastieren mit dieser anspielungs- und requisitenreichen Deutung im ehrwürdigen Salzburger Marionettentheater, dessen vorderste Reihen für ein prächtig spielendes Septett des Österreichischen Ensembles für Neue Musik ausgebaut wurden. Das erste Gastspiel überhaupt in dieser hochtraditionellen Umgebung! Mit Klezmer-Musik wird die bunte, teuflisch, auf vielen Ebenen verfügte Geschichte launig, aber auch gebührend schwermütig eingeleitet. Vom schweizerischen Wirtshaus geleiten Christoph Widauer und seine Kompagnons bis in ein China-Restaurant . . . Teufel und Soldat exerzieren im wahrsten und im übertragenen Sinne des Wortes alle Gemeinheit, alles Leid und alle Larmoyanz eines märchenhaften Alltags. Man kann nur staunen, wie diese Puppengesichter ein Mienenspiel entfalten, wie man es plastischer auch von echten Darstellern kaum erwarten würde. Heute Abend, 20 Uhr, wird der Teufel noch einmal mit Alkohol vollgepumpt, darf die genesene Prinzessin noch einmal vier Kinderlein gebären. Es lohnt, sich nach Restkarten zu erkundigen! (Peter Cossé, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22. 10. 2000).