Quito/Wien - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt vor den verheerenden Auswirkungen der industriellen Shrimpszucht. Derzeit ist das Greenpeace Schiff "Arctic Sunrise" auf einer Expedition an den Küsten des südamerikanischen Staates Ecuador unterwegs, um auf die Auswirkungen der industriellen Shrimpzucht hinzuweisen. Grund der Diskussion ist die Tatsache, dass im vergangenen Jahrzehnt ein Großteil der Mangrovewälder für die industrielle Shrimpszucht gerodet wurde. Bereits eine Million Tonnen Shrimps werden pro Jahr aus Mast-Farmen geliefert. Die gezüchteten Shrimps werden hauptsächlich in die USA, nach Europa und Japan exportiert. Auf ökologische und soziale Folgen werde dabei keine Rücksicht genommen, so die Greenpeace-Meeresbiologin Nina Thüllen. Die Errichtung von Zuchtteichen vernichte wertvollen Lebensraum an den Küsten. Ein weiteres Problem sei auch die Umweltverschmutzung durch Chemikalien und Medikamente, die mit der Shrimpszucht einhergehen. Nach maximal zehn Jahren können die Teiche nicht mehr bewirtschaftet werden. Zurück bleibe ein totes und unfruchtbares Land, so die Umwelt-Expertin. "Verhängnisvolle Delikatesse" "Shrimps sind eine verhängnisvolle Delikatesse, da mit jedem Kilo ein Stück unwiederbringlicher Mangrovenwald verschwindet", so Thüllen. "Längst sind Shrimps von einer luxuriösen Delikatesse zu einem Massen-Importgut in die westliche Welt geworden", so die Meeresbiologin. Die Nachfrage beschert der Shrimp-Industrie unvorstellbare Produktionszuwächse und könne schon lange nicht mehr auf nachhaltige Weise gedeckt werden. Mangroven-Wälder zählen zu den gefährdetsten Regenwäldern der Erde. Die Mangroven beherbergen eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen und verhindern Bodenerosion. In vielen Ländern wird versucht, zerstörte Mangroven erneut aufzuziehen um eine natürliche Barriere zum Meer zu schaffen. Weltweit, so schätzt Greenpeace, sind jedoch mehr als die Hälfte aller natürlichen Mangrovenwälder verloren gegangen. Schon im vergangenen Jahr warnte die Umweltschutzorganisation vor den gezüchteten Shrimps, da die Tiere mit Antibiotika stark kontaminiert waren. Shrimps die durch Fischkutter gefangen werden, seien auch keine echte Alternative, da auf eine Tonne wild-gefangene Shrimps elf bis zwölf Tonnen Beifang, das sind kleine Fische, Schildkröten und andere Tiere, kommen. Der Beifang kann jedoch nicht verwertet werden. (pte)