Das Spiel ist seit mehr als einem halben Jahr dasselbe: Der Vorstand der gelben Post ergeht sich des langen und breiten in Ankündigungen von dringend notwendigen Sanierungsarbeiten im gelben Riesen. Öffentlichkeitswirksam werden in Hochglanz großartige Rationalisierungs- und vor allem Modernisierungsmaßnahmen für den heruntergekommenen Staatsbetrieb präsentiert. Und wie das Amen im Gebet folgt der Aufschrei der mächtigen, erfolgsverwöhnten Gewerkschaft, die sich mit Händen und Füßen gegen den längst überfälligen, drastischen Personalabbau stemmt.

Allein, das Spielchen ist mittlerweile mehr als fad geworden - nicht nur für die langjährige Beobachterin. Im Gegenteil, es ist nachgerade ärgerlich, was sich da in der Wiener Postgasse auf Staatskosten abspielt. Denn die Post hat ein ernsthaftes Rentabilitätsproblem, ihre Produktivität ist meilenweit von internationalen Benchmarks entfernt. Die vergleichbare schweizerische Post etwa hat eine knapp doppelt so hohe Personalproduktivität wie die österreichische. Heißt auf gut Deutsch, dass hierzulande viel zu viele Mitarbeiter mit der Verteilung viel zu weniger und noch dazu altbackener Produkte beschäftigt sind.

Wer nun argumentiert, man müsste die Postler einfach dazu zwingen, die Briefe und Zeitungen schneller auszutragen (dann wären sie nämlich früher beim Kunden, was sicher niemanden stören würde), der erfasst nur einen Teil des Grundproblems. Denn die notwendige Legitimität, an den Daumenschrauben der fett gewordenen Belegschaft zu drehen, hat nur, wer seine Hausaufgaben macht und einen klaren Weg in die kommerzielle Zukunft vorgibt. Das ist beim Postmanagement leider nur auf dem Papier der Fall. Das macht die Postchefs zum Spielball der Gewerkschaft und den Staatsbürger zum Zahler. (Luise Ungerboeck, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 23 . 10. 2000)