Frankfurt/Main - Die 64-jährige algerische Schriftstellerin Assia Djebar nahm am Sonntag bei einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen. Die in Frankreich und den USA lebende Autorin erhielt den renommierten Preis für ihr Gesamtwerk, das eng mit der algerischen Geschichte und der Rolle der Frau im Islam verbunden ist: Djebar, die unter anderem die Romane Weißes Algerien und Die Zweifelnde schrieb, habe "ein Zeichen der Hoffnung für die demokratische Erneuerung Algeriens, für den inneren Frieden in ihrer Heimat und für die Verständigung zwischen den Kulturen gesetzt", so die Jury-Begründung. Laut Roland Ulmer, dem Vorsteher des Börsenvereins, gab Djebar "den Gefolterten und Ermordeten Algeriens ihre Stimme", auf die die Welt höre. Laudatorin Barbara Frischmuth, von Assia Djebar vorgeschlagen, gratulierte "aufs Schwesterlichste" und nannte das deren Werk "unverzichtbar". Djebars Arbeit sei von einem "unbändigen Drang nach der Freiheit des Wortes und der Freiheit des Blicks" bestimmt: "Dabei gestattet sie sich keinerlei Sentimentalität oder Verschwommenheit, weder nostalgische noch ideologische Verschleierungen. Ihr Credo liegt in der Erinnerung, der Hartnäckigkeit des Erinnerns und der Genauigkeit des Erinnerten." In ihrer Dankesrede für den Friedenspreis, den sie, "damit der Friede bald wiederkehrt", den ermordeten Schriftstellern Tahar Djaout, Youssef Sebti und Abdelkader Alloula und dem 1989 verstorbenen Dichter Kateb Yacine widmete, setzte sich Assia Djebar mit der Gewalt in ihrem Heimatland auseinander. Als Antrieb ihres Schreibens nannte sie den aus der berberischen Tradition ihres Landes stammenden Geist der "Unbeugsamkeit". Das Schreiben sei "ein Alarmsignal, ein Hilferuf": "Es ist die schwebende Zwiesprache mit dem Freund, auf den die Hacke niederging, in dessen Kopf die Kugel einschlug. Schreiben ist also ein Tanz mit Phantomen, und solange man selbst lebt, durchströmt einen das Bedürfnis zu erzählen als einziger Antrieb." (trenk/dpa/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. 10. 2000)