Die sechs deutschen Lizenzen für das UMTS-Welthandy kosten durchschnittlich 117 Milliarden Schilling, in Italien wurden fünf Lizenzen für je 34 Milliarden vergeben. Der Unterschied liegt weniger im Wert der beiden Märkte als in den Strategien der Bieter während der Versteigerungen.

In Deutschland wurden die Telekom-Konzerne Opfer eines typischen Gefangenen-Dilemmas: So wie zwei verhaftete Komplizen in Einzelverhören ihre Tat gestehen, weil sie befürchten, dass der andere singt, trieben die Mitbieter die UMTS-Preise in die Höhe, weil sie nicht wollten, dass ein anderer mehr Frequenzen erwirbt als sie selbst.

In Italien war es hingegen nach zwei Tagen vorbei: Nach dem Ausstieg des sechsten Bieters blieben nur fünf übrig, die sich fünf Lizenzen redlich teilten. Die Aktionäre jubeln, während die Regierung um die Hälfte der erwarteten Erlöse umfällt.

In Österreich sind ab nächster Woche beide Szenarien möglich: Die vier bestehenden Handybetreiber wollen die Lizenzen möglichst günstig erwerben und wären zufrieden, wenn alle sechs Anbieter sich ein kleines Stück des Kuchens abschneiden. Doch die beiden Neulinge, Spaniens Telefónica und Hutchison Whampoa, könnten ihnen einen Strich durch die Rechnung machen. Sie brauchen mehr Frequenzen und haben die Mittel, um diese zu erwerben. Setzen sie diese ein, explodieren die UMTS-Preise.

Für den Fiskus geht es dabei um zig Milliarden Schilling an Mehreinnahmen, für die Telekom-Konzerne um die Frage, ob sie mit dem Welthandy je Gewinne schreiben können. Ein teures Ergebnis der Auktion würde das Budget entlasten und dafür den Telekom-Börsengang belasten. Was volkswirtschaftlich besser ist, bleibt umstritten. Spannend wird es auf jeden Fall. (Erik Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24 . 10. 2000)