Wien - Das neue "Museum Judenplatz Wien" im Misrachi-Haus wird am Nationalfeiertag mit einem Tag der Offenen Tür erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht; von 10 bis 18 Uhr kann es bei freiem Eintritt besucht werden. Außerdem werden halbstündlich Gratisführungen angeboten. Auch der Besuch des Jüdischen Museums in der Dorotheergasse ist am 26. Oktober kostenlos. Im Alten Rathaus (Eingang 1, Stoß im Himmel) wird ein Sonderpostamt eingerichtet, in dem Sammler einen Sonderstempel anlässlich der Museumeröffnung erhalten. Das Misrachi-Haus wird als Außenstelle des in der Dorotheergasse situierten Jüdischen Museums geführt. Im Erdgeschoß gibt es neben dem Simon Wiesenthal-Raum, in dem die Arbeiten und das Konzept der Mahnmal-Künstlerin Rachel Whiteread präsentiert werden, einen Dokumentationsraum zur Schoa. An drei Computerterminals haben Besucher die Möglichkeit, über den Holocaust zu recherchieren. Kernstück dieses Museumsbereichs ist das Projekt zur namentlichen Erfassung der österreichischen Holocaust-Opfer, an dem das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands seit 1992 arbeitet. Bisher wurden rund 400.000 Datensätze von etwa 60.000 der über 65.000 Opfer erfasst. Die Arbeiten an dem Projekt gehen laufend weiter. Für das Museum Judenplatz Wien wurde eigens eine Multimediadokumentation konzipiert, die auch das selbsttätige Recherchieren der Besucher ermöglicht. "Bereits in den vergangenen Tagen hatten wir immer wieder ausländische Besucher hier, die diese Möglichkeit nutzen wollten", schildert Museums-Projektleiter Reinhard Pohanka, "das waren wirklich erschütternde Szenen." Für die Präsentation der jüdischen Lebenswelt im Mittelalter im Kellergewölbe hat die Gruppe Nonfrontiere einen computeranimierten Film gestaltet, der einen virtuellen Rundgang durch das Judenviertel Wiens im Mittelalter sowie durch jene Synagoge ermöglicht, deren Modell im Nebenraum gezeigt wird und deren Überreste man in dem sehr zurückhaltend gestalteten unterirdischen Schau- und Gedenkraum besichtigen kann. Hier soll sich der Rest der jüdischen Gemeinde Wiens 1421 der weiteren Verfolgung und der angedrohten Zwangstaufe durch Selbstmord entzogen und die Synagoge selbst in Brand gesteckt haben. Die in den Schauräumen des Kellers präsentierten Grabungsfunde erweisen sich als wenige. "Man hat die Steine der Synagoge damals zum Bau der Universität verwendet und den Platz aufgeschüttet", sagt Reinhard Pohanka, "offenbar wollte man damals jede Überreste, die an das jüdische Leben erinnerten, beseitigen." Weitere Multimedia-Präsentationen von Nonfrontiere beschäftigen sich mit den Themen "Rabbiner, Zeremonien und Festtage, Gemeinde und Wirtschaftliche Bedeutung" und geben einen Überblick über die jüdische Lebenswelt des Mittelalters. (APA)