Genf - Was in den Industriestaaten bereits routinemäßig durchgeführt wird, soll als Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die ganze Welt gelten: die breite Verwendung von Arzneimitteln zur Verhinderung der Übertragung des HI-Virus von Schwangeren auf ihre Kinder im Mutterleib bzw. während der Entbindung. Ein Expertengremium der Organisation stellte vor einigen Tagen fest, dass der Nutzen einer solchen Therapien eindeutig die möglichen Nebenwirkungen aufwiegt. "Es gibt keine Berechtigung, diese Behandlungsmöglichkeiten weiterhin auf die Verwendung in Pilotprojekten oder in wissenschaftlichen Studien zu beschränken", stellten die Fachleute am Ende ihres Treffens in Genf am 13. Oktober fest. Dieses Ergebnis wurde von der WHO am Mittwoch in einer Aussendung veröffentlicht. Nevirapin Neben dem Einsatz von Anti-HIV-Medikamenten wie AZT und Lamivudine kann dabei auch ein anderes Medikament (Nevirapin) zum Einsatz kommen, heißt es in der Empfehlung. Bei Nevirapin wurde bisher auf ausschließliche Verwendung in Studien und Pilotprojekten gedrängt, weil man die Entstehung von resistenten HI-Viren befürchtet. Diese Beschränkung ist jetzt weggefallen. "Es gibt eine ganze Reihe von Behandlungsregimes, die sicher und wirksam sind. Die Auswahl sollte nach den jeweiligen lokalen Gegebenheiten bezüglich der Kosten und der Durchführbarkeit erfolgen, gleichermaßen entsprechend des Vorhandenseins und der Qualität der Betreuung der Schwangeren vor der Entbindung", stellte Dr. Winnie Mpanju-Shumbusho, Direktorin des WHO-Aids-Programmes fest. Erschreckende Zahlen Jedes Jahr kommen - hauptsächlich in den Entwicklungsländern - rund 600.000 Babys auf die Welt, die mit HIV infiziert sind. Weltweit leben 5,1 Millionen HIV-positive Kinder, die zu 90 Prozent von ihrer Mutter angesteckt wurden. Allein durch die prophylaktische Behandlung der Schwangeren kann die Übertragungsrate drastisch gesenkt werden.(APA)