Paris/Berlin/Washington/Wien - Zum österreichischen Nationalfeiertag hat der französische Staatspräsident und amtierende EU-Ratsvorsitzende Jacques Chirac eine Grußbotschaft an Bundespräsident Thomas Klestil gerichtet und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem französischen und dem österreichischen Volk unterstrichen. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer ist am Vorabend des Nationalfeiertages überraschend bei einem Empfang der österreichischen Botschaft in Berlin erschienen. Es sei ihm ein besonderes Anliegen, die Bedeutung, die er der weiteren Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem französischen und dem österreichischen Volk beimisst, zu unterstreichen, schrieb Chirac in der von der französischen Botschaft in Wien veröffentlichten Grußadresse an Präsident Klestil. Chirac drückte zugleich die Hoffnung aus, dass die in die Vergangenheit zurückreichenden und seit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union weiter gefestigten Bande in der Zukunft eine noch stärkere Ausprägung erfahren mögen. Der französische Präsident soll nach Angaben von Europaminister Pierre Moscovici im Rahmen einer "Tour des capitales" vor dem EU-Gipfel im Dezember in Nizza voraussichtlich am 23. November nach Österreich kommen. Fischer erklärte gegenüber dem ORF-Fernsehen, er sei für einen "normalen Umgang" mit der Wiener ÖVP-FPÖ-Regierung. Die harte Haltung Berlins in Zusammenhang mit den inzwischen aufgehobenen Sanktionen der EU-14 begründete der Außenminister mit den Worten: "Wir haben klar gemacht, wo wir politisch stehen." Nach der Aufhebung der Sanktionen hatte Fischer vor dem deutschen Bundestag bekräftigt, es dürfe keine Selbstverständlichkeit in einem vereinten Europa werden, dass eine Partei wie die FPÖ, die Fremdenfeindlichkeit zum Programm erhoben habe, in der Regierung eines EU-Mitglieds vertreten sei. Fischer unterstrich im ORF-Interview die Bedeutung der österreichisch-deutschen Beziehungen und betonte, es habe keines "Neuanfangs" bedurft. Er sei mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Außenministerin Benita Ferrero-Waldner bei den EU-Räten zusammengesessen und habe ihnen das Du-Wort nicht verweigert. Der Außenminister wies auch darauf hin, dass seine (aus Ungarn stammende donauschwäbische) Familie "mehr mit K.u.K. als mit Preußen zu tun gehabt" habe. US-Präsident Bill Clinton hat in einem Brief an Bundespräsident Klestil den Österreichern die besten Wünsche zum Nationalfeiertag übermittelt. "Unsere Gedanken sind bei Euch" an diesem 26. Oktober, schrieb Clinton, der sich weiter auf eine "Zusammenarbeit auf der Basis von Demokratie, Gerechtigkeit und Toleranz" freut.(APA)