Wien - Die Deutsche Lufthansa hat am Donnerstag auf den Vorschlag der AUA, den Deutschen deren 20-Prozent-Anteil an der Lauda Air abzukaufen, nicht reagiert. Der Airline-Riese lehnt seit Wochen jede Stellungnahme zum Konflikt AUA gegen Lauda ab. Sein Argument: Es handle sich um innerösterreichische Angelegenheiten.

Doch Carsten Spohr, der bei der Lufthansa für strategische Allianzen zuständig ist, sagte jüngst dem STANDARD, er sehe eine Umstrukturierung der AUA-Gruppe als unausweichlich an. Der Status quo könne nicht erhalten bleiben, so Spohr. Ähnlich sieht es die AUA, die mit dem Lufthansa-Anteil die Mehrheit an der Lauda Air erwerben will.

Um mit der Lufthansa aktiv in Verhandlungen eintreten zu können, wollen sich die AUA-Vorstände Herbert Bammer und Mario Rehulka die Zustimmung des Aufsichtsrates holen, der am 8. November zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentrifft. Die Mehrheit an der Lauda Air sei notwendig, ein tragfähiges Sanierungskonzept für die Airline zu erstellen und in der Gruppe (mit Tyrolean) weitere Synergien von 700 Mio. S zu nutzen.

Erst wenn die AUA ein Durchgriffsrecht auf die Lauda Air habe, könne ein gemeinsames Streckennetz erstellt werden, der Treibstoff zentral eingekauft werden und eine einheitliche Preisgestaltung erfolgen. Wenn das nicht gelänge, sei die AUA-Gruppe im globalen Umfeld nicht wettbewerbsfähig, betonten Bammer und Rehulka vor Journalisten. Theoretisch möglich wäre es auch, den Streubesitz der Lauda Air (14 Prozent) aufzukaufen, doch das reicht nicht, um auch das Sagen bei der Airline zu haben.

Eine vorzeitige Übernahme der von Lauda gehaltenen Aktien (30 Prozent) wird - weil zu teuer - nicht angestrebt. Die AUA ist im Sommer 2001 verpflichtet, den Anteil von Lauda zum Preis von mehr als 200 Mio. S zu kaufen.

Star Alliance

Faktum ist, dass Lufthansa-Chef Jürgen Weber zusammen mit anderen die Star Alliance (der die AUA-Gruppe seit März angehört) auf dem Prinzip aufbaute, dass niemand Anteile beim anderen erwerben sollte. Bei der Beteiligung an der Lauda Air machte die Lufthansa eine Ausnahme von ihrer Strategie, sich nicht an Partner-Airlines zu beteiligen. Im Fall Lauda überwog das strategische Interesse, die Lauda Air zu einem Zeitpunkt an sich zu binden, als die AUA noch in der Allianz mit Swissair fest verankert war. Seit auch die AUA-Gruppe (AUA, Tyrolean, Lauda) Mitglied der Star Alliance ist, ist die Beteiligung an Lauda vom Prinzip her obsolet.

Sonderprüfung

Ungeachtet dessen wird es die bereits beschlossene Sonderprüfung bei der Lauda Air geben, wo die vom AUA-Vorstand angeprangerten aktienrechtlichen Verfehlungen des Lauda-Vorstandes untersucht werden. Ein wesentlicher Punkt dabei ist das jüngst vom Lauda-Vorstand ohne Zustimmung des Aufsichtsrates gestartete Refinanzierungskonzept, bei dem bestehende Flugzeugleasing-Verträge umgeschichtet wurden, mit dem Effekt, dass die Ergebnisse in den Folgejahren massiv belastet werden.

Lauda setzte diesen Schritt, um die drohende Insolvenz abzuwehren. Doch für den AUA-Vorstand gibt es die damit verbundene Eigenmittelaufstockung lediglich am Papier. Denn durch die Transaktion wurde der Wert von fünf Fliegern auf 700 Mio. Dollar gepusht, während der tatsächliche Marktwert unter 500 Mio. Dollar liegt, so Bammer. "Wir bleiben dabei, die Finanztransaktion, die nicht mehr rückgängig zu machen ist, kostet jährlich 100 Mio. S. Es kann uns niemand vormachen, wenn mit dem jetzigen Streckennetz Verluste gemacht werden, dass die Ergebnisse bei einer Zusatzbelastung von 100 Mio. S im Jahr besser werden", argumentierte Rehulka.

Für die AUA-Vorstände hätte es auch "vernünftigere Deals gegeben, um den Liquiditätsengpass zu überbrücken". Zugleich wiesen sie darauf hin, dass die AUA bereits bisher Flugzeuge im Wert von acht Mrd. S für die Lauda Air finanziert habe. Der Gesamtwert der Lauda-Flotte beträgt 11,7 Mrd. S.

Über eine mögliche Ablöse des Lauda-Managements wollen Bammer und Rehulka erst dann entscheiden, wenn die aktienrechtliche Sonderprüfung feststelle, dass die Kritik berechtigt war. Die AUA wirft Lauda unter anderem vor, die Halbjahres- und Jahresbilanz nicht ordnungsgemäß erstellt zu haben. Zudem geht es um nicht gebuchte Verluste und nicht genehmigte Währungsspekulationen.

Budget

Bei der Lauda Air findet am 6. November die nächste Aufsichtsratssitzung statt, wo es um das Budget 2000/01 geht sowie die Fortbestandsprognose für die nächsten Jahre. Zur Sprache sollen auch die Verträge mit dem Caterer Do&Co kommen, die erst im Vorjahr erneuert wurden und bis 2009 unkündbar sind. Auch dafür wurde die Genehmigung des Aufsichtsrates nicht eingeholt. Die Lauda Air überweist Do&Co jährlich bis zu 400 Mio. S für das Catering. (cr/jfl, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 27 . 10. 2000)