Als Zeichen internationaler Solidarität und großen Erfolges haben vor einem Monat die Zentralbanken ihre Intervention zugunsten des Euro gefeiert. Inzwischen ist klar geworden, dass die damalige Aktion nicht nur nutzlos, sondern geradezu schädlich für die angeschlagene Währung war.

Die Notenbanken wollten damals vor allem dem Devisenmarkt signalisieren, dass die USA bereitstehen, bei der Verteidigung des Euro mitzutun. Doch dies war nicht wahr. Washington denkt nicht daran, seine traditionelle Abneigung gegen Markteingriffe wegen Europas Währungsproblemen aufzugeben. Ohne Amerikas Zutun aber ist jede Intervention sinnlos.

Treibende Kraft hinter der Einmalaktion waren die EU-Regierungen, die ein dänisches Nein zum Euro in letzter Minute abwenden wollten - vergeblich. Damit wurde allerdings die Glaubwürdigkeit von Wim Duisenberg und seiner Position untergraben, wonach die Zentralbank keine Wechselkurspolitik betreibt. Die Zustimmung des EZB-Chefs zur Intervention und nicht seine spätere Aussage, es werde wegen des Nahostkonfliktes keine Interventionen geben, war der Sündenfall, der den Niederländer nun so schwach aussehen lässt.

Denn Duisenberg hat prinzipiell Recht: Der schwache Euro ist für die Volkswirtschaft kein Problem, solange die innere Preisstabilität erhalten bleibt - was der EZB bisher gelungen ist. Wenn die Notenbanken heute der Talfahrt des Euro tatenlos zusehen, tragen sie mehr zu seiner Stärkung bei, als wenn sie Aktivitäten vortäuschen, die ohnehin nichts bringen.

Den eigentlichen Grund zur Sorge haben die USA, deren Leistungsbilanzdefizit explodiert. Doch dies wird frühestens nächstes Jahr akut werden - und dann könnte der Dollar ein ähnliches Schicksal erleiden wie jetzt der Euro. (Eric Frey, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 27 . 10. 2000)