Erster Tag

Und die ersten Eindrücke: Verkehrschaos - die riesigen Busse stecken im Stau und zum Individualverkehr: In ersten Halbjahr wurden mehr Autos zugelassen als im gesamten Jahr 1999. Kleines Detail - die ersten beiden Ziffern der Nummerntafeln zeihen das Zulassungsjahr. Gehupt wird südländisch. Jugend - die meisten Kinder im europäischen Durchschnitt und die Trinity Universität. Das prägt und hält jung. Zudem seit dem EU-Beitritt 1973 ein steiler wirtschaftlicher Aufstieg, besonders in der Computertechnologie. Fünf Prozent Arbeitslosigkeit (vor ein paar Jahren waren es noch 20), dagegen 2,5 Prozent Inflationsrate, billig ist es hier nicht. Der "keltische Tiger" schreitet unaufhaltsam vorwärts. Und trotzdem recht verführerisch zum Einkaufen und Ausgehen. Nahe St. Peters Green (eine Oase im Zentrum) führen große autofreie Straßen wie Grafton Street und kleine Gassen vorbei an altmodischen Läden, modernen Malls hinter altem Gemäuer und Kaffeehäusern. Der Cappuccino hat seinen Siegeszug angetreten. Allerdings ist der Output der Guinness Brauerei weiterhin 10 Mio. Glas pro Tag. Hinter manch' einer hübschen Fassade verstecken sich prachtvolle Innenhöfe, Flair und Atmosphäre sind dort einmalig schön.

Atemberaubende Kunstwerke sind hingegen eher spärlich gesäht. St. Patrick's Cathedral und Christ Church sind zwar beeindruckend, am erstaunlichsten ist allerdings die Tatsache, dass sie beide protestantisch sind in einem zu 95 Prozent katholischen Land. Trinity College besteht aus klassizistischen Bauten, ist eine wahre Oase der Ruhe, das wirkliche Kleinod ist die Old Library mit dem "Book of Kells" einem Evangelium aus dem 9. Jh. Die schönsten, in sich geschlossenen Ensembles in georgianischen Stil finden sich rund um den Waldpark Merrion Square. Auf Nr. 1 verbrachte Oscar Wilde seine ersten und prägenden Jahre. Ein paar Schritte entfernt im Park lümmelt er als bunte Statue malerisch hingegossen auf einem Felsen. Der Abend ist den Pubs gewidmet.


Zweiter Tag

Temple Bar war vor 10 Jahren ein ärmlicher Künstlerbezirk. Heute ist es der intellektuelle und gastronomische Treffpunkt schlechthin - die Jugendszene Dublins. Galerien, Bioläden, Restaurants, Hotels, Bars, Pubs und Boutiquen - unter, über der Erde und ebenerdig. Bar kommt übrigens nicht von Bar (die gibt es hier unzählige), sondern heißt Riverside. Der einladende, wenngleich noch immer etwas vergammelte Bezirk liegt an den Ufern des Liffey-Flusses. Der dazugehörige, seltsame Brunnen liegt an der O'Conell Street, einem ehemaligen Prachtboulevard, der schon bessere Tage gesehen hat. Der Abend ist den Pubs gewidmet.

Die Stadt boomt. Aber der Boom fordert offensichtlich auch seine Opfer. Es gibt zwar fast keine Arbeitslosigkeit (Zeitungs-Schlagzeile im September 2000: "Wir haben mehr Golfspieler als Arbeitslose"), dennoch sitzen auffallend viele junge Leute bettelnd an der Straße. Die Grundstückspreise steigen unaufhaltsam. Die Stadt hat noch immer keine U-Bahn. 30 Hotels haben in den vergangenen Jahren eröffnet, 40 weitere eröffnen demnächst. Qualifiziertes Personal ist kaum zu bekommen. Der öffentliche Verkehr ist ein Skandal. Die Busse haben nicht nachvollziehbare Fahrpläne und stecken überdies immer im Stau. Taxis sind quasi inexistent und nicht zu bekommen. (Der Standard, Printausgabe) Informationen & Details: Anreise: täglich außer Die. und Do. mit Tyrolean nonstop. Vom Flughafen verschiedene Buslinien, die viele Hotels direkt anfahren (unbedingt die Route erfragen). Gut zu wissen: Taxis sind Mangelware, eine Stunde Wartezeit auf einen bestellten Wagen sind an der Tagesordnung. Die öffentlichen Busse sind keine Alternative, es gibt auch keine Touristenkarten Hotels: empfehlenswert und persönlich getestet: Morisson - erstklassiges Designerhotel mit viel Ambiente am Flussufer. Direkt gegenüber The Clarence - gefragtes First-Class-Haus, im Besitz des U2 Mitglieds Bono. Merrion Square Manor - georgianisches Ambiente, schlechtes Service. Restaurants: Die aktuelle Topadresse für alle die gesehen werden wollen und nicht gerade arm sind, heißt Peacock Alley - Chef Conrad Gallagher kocht bemerkenswert auf (Menu 55-70 Pfund, rd. 1000 S ohne Getränke) The Meermaid - bescheidener, junges Publikum, aber erstklassig The Commons - sehr zu empfehlen, die Adresse für Geschäftsleute. Pubs: Bier getrunken und gesungen im Mc Daids, M.J. O'Neill, Bruxelles und The Chatham. Es gibt noch weitere 1000 vielleicht bessere, vollere, lustigere, authentischere. Sightseeing: Der Dublin Bus mit 18 Stationen (hop off and on) ist eine gute Alternative zu erschöpfenden Fußmärschen Adressen und Veranstalter: Irland-Tourismus Wien: Tel (01) 914 13 51 Dublin-Tourismus: www.visitdublin.com Reisebüro Blaguss (Tel 501 800) hat das umfassendste Irland-Programm.