Wien - "Wir sind nicht insolvent, es wurde uns nur jetzt der Geschäftsbetrieb untersagt", wiederholt ein junger Schalterangestellter in der Trigon Bank gebetsmühlenartig. Dutzende Kunden, seit einem Jahr offenbar Kummer gewohnt, wollen nur wissen, wie sie zu ihrem Geld kommen. Das Finanzministerium hatte mit Bescheid vom 25. Oktober der Trigon Bank AG, Wien, die Fortführung des Geschäftsbetriebs vorläufig untersagt. Der seit einem Jahr als "Aufpasser" in der Bank tätige Regierungskommissär Alexander Isola ist autorisiert, bestimmte Geschäfte der Bank zu genehmigen, so sie keine Gläubigerschädigung bedeuten. Wie aus einem Informationsblatt, das den Kunden am Schalter überreicht wird, hervorgeht, hat der Regierungskommissär bereits genehmigt, dass die Kunden der Bank über ihre Eingänge auf Gehalts- und Pensionskonten für Oktober und November weiterhin verfügen dürfen. Daher werde die Bank alle Dauer-, Einziehungs- und Überweisungsaufträge in diesem Rahmen durchführen. Andererseits habe der Kommissär verfügt, dass die Trigon Bank derzeit Spareinlagen weder entgegennehmen noch auszahlen darf. Guthaben bis 20.000 Euro gesichert "Wie sie wahrscheinlich wissen", heißt es an die Kunden weiter, "sind Ihre Guthaben pro Privatperson jedenfalls bis zu einem Betrag von 20.000 Euro (275.206 S) Guthaben (inklusive Zinsen) bei der Einlagensicherung der Banken und Bankiers gesichert". Derzeit werde geklärt, ob die Kunden ihr Guthaben - so weit es fällig ist - durch entsprechende Legitimation bei der Einlagensicherung sofort ansprechen können. In diesem Fall wäre die Einlagensicherung verpflichtet, innerhalb von drei Monaten dem Auszahlungsbegehren zu entsprechen. Wer eine sofortige Auszahlung seines fälligen Guthabens wünscht, wurde von der Trigon Bank heute aufgefordert, "uns dies unter Nachweis ihrer Legitimation sowie Bekanntgabe ihres Namens, Adresse, Telefonnummer und der Höhe des Guthabens sowie ihrer Kontonummer mitzuteilen, damit wir diesen Wunsch an die Einlagensicherung weiterleiten können". Eine Nachricht dazu wurde innerhalb der nächsten zwei Wochen zugesagt. Dieser Weg stehe den Kunden jederzeit ohne Wahrung besonderer Fristen offen. gröberen Turbulenzen schon vor einem Jahr Vor genau einem Jahr hatte die Trigon Bank nach gröberen Turbulenzen schon ein mal für sieben Tage die Schalter schließen müssen. Im Unterschied zum Vorjahr, als sich auf dem Gehsteig vor dem Bankeingang lange Warteschlangen verunsicherter Sparer gebildet hatten, füllen heute früh Dutzende Kunden den Schalterraum selbst. Im Unterschied zum Vorjahr weist heute kein Schild an der Tür, kein Informationsblatt an den Fenstern der Bank in der Wiener Mahlerstraße auf die neuerlichen massiven Probleme hin. Im Herbst 1999 war verfügt worden, nur mehr fällige Sparguthaben auszubezahlen, was in der Folge auch geschah. Jetzt wird selbst für fällige Einlagen sofort an die Einlagensicherung verwiesen. (APA)