Jerusalem - Mit seinem Besuch auf dem Tempelberg hat Ariel Sharon, der ehemalige israelische Verteidigungsminister und heutige Vorsitzende des rechten Likud-Blocks, die schwerste Krise im Friedensprozess in Nahost seit Jahren ausgelöst. Seither ist die Region nicht mehr zur Ruhe gekommen. Im Folgenden eine Chronologie der Ereignisse des vergangenen Monats: 28. September: Der Besuch Sharons auf dem Tempelberg löst gewaltsame Proteste unter Palästinensern aus. 29. September: Bei anhaltenden Auseinandersetzungen auf dem Tempelberg töten israelische Sicherheitskräfte sieben Palästinenser. 220 weitere werden verletzt. 30. September: Die Unruhen weiten sich auf das Westjordanland und den Gazastreifen aus. Weitere 16 Palästinenser werden getötet, hunderte verletzt. Die Bilder des 12-jährigen Mohammed, der in den Armen seines Vaters von israelischen Kugeln getroffen wird, gehen um die Welt. In den folgenden Wochen werden fast täglich Palästinenser erschossen, unter ihnen immer wieder Kinder. Die palästinensische Autonomiebehörde fordert die UNO auf, eine internationale Untersuchungskommission einzusetzen. 1. Oktober: Erstmals beteiligen sich auch israelische Araber außerhalb der Palästinensergebiete an den Unruhen. 2. Oktober: Die Auseinandersetzungen verschärfen sich. Auch in der nordisraelischen Region Galiläa werden Menschen getötet. 4. Oktober: Gespräche von US-Außenministerin Madeleine Albright mit dem israelischen Regierungschef Ehud Barak und Palästinenserpräsident Yasser Arafat in Paris enden ohne Ergebnis, nachdem Frankreichs Präsident Jacques Chirac Arafat von der Unterschrift unter eine Vereinbarung abgeraten haben soll. 6. Oktober: Die Palästinenser rufen einen "Tag des Zorns" aus. 7. Oktober: Die radikale islamische Hisbollah entführt drei israelische Soldaten an der Grenze zum Libanon. In Nablus im Westjordanland verwüsten hunderte Palästinenser das Grab Josefs, eine heilige Stätte des Judentums. Barak setzt Arafat eine Frist von 48 Stunden, der Gewalt Einhalt zu gebieten. Der UNO-Sicherheitsrat in New York verurteilt die "exzessive Gewaltanwendung" Israels, die USA enthalten sich der Stimme. 12. Oktober: Palästinenser lynchen in Ramallah zwei israelische Soldaten. Zur Vergeltung bombardiert Israel Ziele in Ramallah und Gaza. Die palästinensiche Autonomiebehörde lässt Angehörige der radikalen Hamas und Islamischer Jihad frei. Barak schlägt Sharon eine gemeinsame "Regierung des nationalen Notstands" vor. 13. Oktober: Die israelische Armee verschärft ihre Blockade der palästinensischen Städte. 15. Oktober: Die Hisbollah verkündet, einen israelischen "Oberst", bei dem es sich um einen Agenten des Geheimdienstes Mossad handle, in ihre Gewalt gebracht zu haben. Nach israelischer Darstellung wurde der Geschäftsmann und Reservist Elhanan Tennenbaum in der Schweiz entführt. 16. Oktober: In Sharm el Sheikh treffen Arafat und Barak mit US-Präsident Bill Clinton, UNO-Generalsekretär Kofi Annan, dem EU-Beauftragten für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, dem jordanischen König Abdullah II. sowie dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zusammen. 17. Oktober: Die Konfliktparteien einigen sich nach Angaben Clintons, die Gewalt zu beenden. Der Forderung der Palästinenser nach einer internationalen Untersuchungskommission wird nicht entsprochen. 20. Oktober: Der angekündigte Gewaltverzicht wird nicht eingehalten. 22. Oktober: Die arabischen Staaten verurteilen Israel und fordern ein internationales Strafgericht für die "israelischen Kriegsverbrecher". Barak setzt den Nahost-Friedensprozess für unbestimmte Zeit aus. 23. Oktober: Barak und Sharon nehmen Verhandlungen zur Bildung einer Notstandsregierung auf. 26. Oktober: Ein Palästinenser verübt ein Selbstmordattentat, zu dem sich die Organisation Islamischer Jihad bekennt. Bei dem Anschlag im Gazastreifen stirbt der Attentäter, ein israelischer Soldat wird verletzt. 27. Oktober: Nach dem moslemischen Freitagsgebet kommt es zu erneuten Auseinandersetzungen, bei denen erneut Palästinenser erschossen werden. 29. Oktober: Arafat erklärt, die Unruhen würden nicht aufhören, bis nicht die palästinensische Fahne über Jerusalem wehen werde. (APA)