Heidelberg - Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Chemischen Instituts der Universität Heidelberg haben eine gegen Krebs wirkende Platinverbindung entwickelt. Das sogenannte Thioplatin ist nur sehr gering giftig und verspricht deshalb viel geringere Nebenwirkungen als bisherige Chemotherapien. Ein Krebsmedikament mit geringerer Giftigkeit würde die Möglichkeit einer intensiveren, höher dosierten Behandlung eröffnen und damit bessere Behandlungschancen bieten. Die Wissenschaftler überprüften schwefelhaltige Platinverbindungen und fanden dabei die chemische Verbindung Thioplatin, das nur im leicht angesäuerten Milieu wirkte. Dieses Phänomen hat für die Tumortherapie einen entscheidenden Vorteil. Tumorzellen treten häufig im leicht angesäuerten Milieu auf. Bisher schlugen Versuche, diesen Umstand für die Verbesserung der Tumortherapie zu nutzen, fehl, da sich die Säuregrade zwischen normal und Tumorgewebe nur geringfügig unterscheiden (Normalgewebe: 7,2-7,5: Tumorgewebe etwa 6,8). Die in Heidelberg gefundene Platinverbindung zeige aber genau in diesem Bereich den Übergang zwischen giftig und ungiftig. "Somit tötet die Verbindung Zellen im Tumorgewebe ab, im Normalgewebe wirkt diese dagegen nicht", so Eberhard Amtmann von der Abteilung Immunregulation und Tumorabwehr im Deutschen Krebsforschungszentrum. Thioplatin wurde mit Hilfe von Zellkulturen entwickelt. Die Anti-Krebs-Wirkung wurde an menschlichen Tumoren, die auf Mäuse transplantiert worden sind, nachgewiesen. Platinverbindungen wie Cisplatin gehören zu den wichtigsten Krebsmedikamenten. Mit ihrem Einsatz in der Kombinationstherapie ist die Heilung einer Reihe von Krebserkrankungen möglich, wie zum Beispiel des Lungenkarzinoms. Trotz ihrer Wirksamkeit ist die therapeutische Dosis dieser Substanzen durch potenziell schwere Nebenwirkungen eingeschränkt. (pte)