Mel C soll die beste Stimme aller Spice Girls zu haben. Mit Songs wie "Never Be The Same Again" und "I Turn To You" aus dem Album "Northern Star" (Virgin) bewies die 26-Jährige außerdem Hitqualitäten. Das Konzert der Engländerin in Wien war trotzdem von der größeren Libro Music Hall in den kleineren Planet Music verlegt worden - nach anfangs schleppendem Vorverkauf. Beim Auftritt am Montagabend herrschte daher Clubatmosphäre, doch Mel C fehlte über weite Strecken die Würze. Das Publikum war bunt gemischt, Kinder drängten neben "Disco-Ladies", geduldige Väter neben erwartungsvollen Spice-Fans. "Go" eröffnete die Show, mit "Something Happen" folgte eine weitere flotte Nummer. Die Gitarren kreischten ebenso wie Mel C - nicht unsympathischer Teenierock mit Pfeifdrauf-Attitüde dröhnte kurze Zeit aus den Boxen. Etwas lasch Aber schon mit dem dritten Track, "Northern Star", offenbarte sich das Dilemma: Die auf dem Album so perfekt produzierten Balladen wirkten live doch etwas lasch. Mel C konnte sich außerdem offenbar nicht recht entscheiden, ob sie sich selbst verwirklichen oder ihre Fans bedienen will. Belangloser Massenpop bestimmte mit Fortdauer die Darbietung, Mel C kämpfte zunehmend mit ihrem Gesang (unterstützt von einer bestenfalls durchschnittlichen Band). Als die 26-Jährige, der man Gewichtsprobleme nachsagt, das T-Shirt hob und ihren Bauch enthüllte, kam wenigstens eine Spur von Selbstironie ins Spiel. Und beim Kracher "Going Down" keimte immerhin ein wenig Hoffnung auf. Doch statt lauter und frecher entwickelte sich das Finale zum uninspirierten Abspulen der Tophits. Alles in allem ziemlich "Ga Ga", wie eines der Lieder auf der Setlist hieß. (APA)