Für die Zukunft des Hamburger Verlagshaus Gruner+Jahr (G+J) wird nach Einschätzung des scheidenden Vorstandsvorsitzenden Gerd Schulte-Hillen das Engagement in den neuen Medien ein zentrales Element sein. "Wo wir von den neuen Medien tangiert sind, haben wir bereits sehr überlegt, aber sehr entschieden Aktivitäten entwickelt", sagte Schulte-Hillen, der am Mittwoch sein Amt niederlegt. Auf seinen Nachfolger, den bisherigen Zeitungsvorstand Bernd Kundrun, komme jetzt die Aufgabe zu, diese Strategien weiter zu entwickeln. Mit 60 Jahren hat Schulte-Hillen die beim Bertelsmann-Konzern übliche Altersgrenze für Manager erreicht. G+J gehört zu 74,9 Prozent Bertelsmann. Finanzportal G+J hatte kürzlich angekündigt, zusammen mit der Direkt Anlage Bank (DAB) ein Finanzportal gründen zu wollen. Diverse G+J-Zeitschriften, darunter auch das Flaggschiff "Stern", sind bereits im Internet vertreten. Der künftige G+J-Chef Kundrun hatte bereits Ende August hohe Investitionen im Bereich Internet angekündigt. Schulte-Hillen sagte weiter, seine 19-jährige Amtszeit als G+J-Vorstandsvorsitzender sei geprägt gewesen von der Internationalisierung des Verlages. G+J veröffentlicht inzwischen knapp 100 Zeitungen und Zeitschriften weltweit. Prägend sei auch die Wiedervereinigung gewesen: "Dass wir als Pressehaus mithelfen konnten beim Aufbau der Demokratie in den neuen Bundesländern - das war schon eine große Freude." G+J gibt unter anderem die "Berliner Zeitung" und in Dresden die "Sächsische Zeitung" heraus. Aufsichtsrat Schulte-Hillen wird künftig den Aufsichtsrat der Bertelsmann AG leiten. Er übernimmt dieses Amt von Mark Wössner, der den Konzern nach 32 Jahren verlässt. Wössner war 16 Jahre lang Vorstandsvorsitzender des Gütersloher Konzerns, bevor er 1998 in den Aufsichtsrat wechselte. Wössner begründete seinen Rückzug damit, dass sich sein bis dahin freundschaftliches Verhältnis zu Konzern-Gründer Reinhard Mohn verändert habe. Bertelsmann ist mit einem Jahresumsatz von 32,4 Milliarden Mark (16,6 Mrd. Euro/228 Mrd. S) eigenen Angaben zufolge der viertgrößte Medienkonzern der Welt. (APA/Reuters)