Wien - Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll hat das Verhalten der FPÖ gegenüber Innenminister Ernst Strasser kritisiert und FPÖ-Chefin Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer aufgefordert, für Ruhe in ihrer eigenen Partei zu sorgen. Zu der FPÖ-Ankündigung, Strasser vor den Koalitionsausschuss "zitieren" zu wollen, erklärte Pröll laut Vorausmeldung in einem Interview für das am Montag erscheinende Wiener Nachrichtenmagazin "profil": "Zitieren lässt sich Strasser sicher nicht!". Ein Bruch der schwarz-blauen Koalition ist für Pröll "absolut kein Thema". Die freiheitlichen Angriffe auf den Innenminister nannte Pröll "eigenartig und irritierend". "Ich verstehe sie auch nicht, denn die so genannte Spitzelaffäre hat nicht der Innenminister, sondern ein parteiinterner Funktionär der FPÖ aufgedeckt", sagte der Landeshauptmann. Die Ursache für das aggressive Auftreten der FPÖ sieht er in der Verunsicherung der Freiheitlichen: "Jemand, der derart auf einen Regierungskollegen losgeht, der hat offensichtlich Probleme in seinem Umfeld oder mit sich selbst. Jemand, der nichts angestellt hat, kann ruhig schlafen und volles Vertrauen zum Innenminister und dem Sicherheitsapparat haben." Kritik übte Pröll auch an Strassers Amtsvorgänger im Innenministerium, Karl Schlögl, nunmehr Landeshauptmannstellvertreter in Niederösterreich. In Zusammenhang mit der Spitzelaffäre müsse man sich "die Rolle Schlögls ansehen". "Es sind schon früher Verdachtsmomente aufgetaucht, und Schlögl hat hier offensichtlich nicht die nötigen Schritte veranlasst. Es gibt Rechtsmeinungen, die sagen, wer einem Amtsmissbrauch nicht nachgeht und nicht anzeigt, macht sich selbst eines Amtsmissbrauchs schuldig. Ex-Innenminister Schlögl wird hier schon noch zu klären haben, warum er nicht gehandelt hat." (APA)