Washington - Auf sieben bis zehn Millionen Dollar Schadenersatz hat die US-Biotechnikfirma Immune Response laut New York Times zwei Universitätsforscher verklagt, weil diese eine der Firma missliebige Studie publiziert haben: Sie haben wissenschaftlich eine große klinische Studie über die Wirkung eines Aids-Impfstoffs von Immune Response begleitet - und keine Wirkung gefunden, weshalb die Studie vorzeitig abgebrochen wurde. Daraufhin sperrte die Firma die Daten und wollte die Ergebnisse nicht publiziert sehen. Die Forscher haben trotzdem einen Großteil der Daten an eines der großen US-Ärzte-Journale geschickt - Journal of the American Medical Association, JAMA -, das hat sie nun veröffentlicht. Damit rückt einmal mehr die höchst heikle Macht der Pharmaindustrie über Gang und Bekanntgabe nicht nur der eigenen, sondern auch der universitären Forschung ins Licht: Die zehn größten US-Pharmafirmen haben letztes Jahr 23 Milliarden Dollar für klinische Tests ausgegeben, die öffentliche Gesundheitsbehörde NIH 18 Milliarden. Und es sind nicht nur diese Gelder, die manche Forscher zunehmend beunruhigen, es geht um vielfältige Beteiligungen (Aktien etc.) von Forschern an Pharmafirmen, und es geht um großzügiges Sponsoring von Kongressen oder Vorträgen. Im Frühjahr hatte das zweite große US-Ärztejournal NEJM öffentlich beklagt, dass im Bereich der Medizin kaum mehr unabhängige Gutachter zu finden seien. Nun zieht JAMA nach und publiziert auch eine Studie, derzufolge nur 19 Prozent der 89 größeren US-Universitäten überhaupt Regeln für die Zusammenarbeit ihrer Forscher mit der Industrie haben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. 11. 2000)