Wien - Mifegyne ist zu Unrecht mit dem Titel "Abtreibungspille" abgestempelt. Am Wiener AKH wird das Medikament derzeit in einem ganz anderen Gebiet erfolgversprechend eingesetzt: für gutartige Tumore der Gehirnhäute, so genannte Meningiome. Sie wachsen meist auch dann wieder nach, wenn sie vollständig entfernt wurden und verdrängen Hirnmasse, was für die Betroffenen langfristig lebensgefährlich werden kann - besonders dann, wenn der Tumor wegen seiner ungünstigen Lage bereits als inoperabel gilt. Mit dem Medikament kann offensichtlich das weitere Wachstum verhindert werden. Drei Patienten am AKH werden derzeit mit ermutigenden Ergebnissen behandelt. Eine davon wäre wahrscheinlich schon tot, wie es an der Klinik heißt. Weltweit wird das Mittel an 200 Tumorpatienten erprobt, berichtet der zuständige Oberarzt Michael van Trotsenburg dem Standard. Derzeit beschränkt man sich auf besonders kritische Fälle - in Zukunft könnte es prinzipiell nach jeder Operation betroffener Patienten eingesetzt werden. Wahrscheinlich ist das Mittel auch beim bösartigen "Sarkom" - eine besonders aggressive Krebsgeschwulst im Bindegewebe - einsetzbar. Hoffnungen machte man sich auch bei der Brustkrebsbehandlung. Allerdings seien die Ergebnisse hier "nicht wirklich aufregend", wie van Trotsenburg meint. Weitere mögliche Einsatzgebiete des Medikaments: Zyklusstörungen, Myome und "ganz normale" Empfängnisverhütung.(mon)