Das Thema war so brisant, dass sich neben der amerikanischen Medien sogar der Gerichtshof des US-Staates Kalifornien der Sache annahm: die Auktion von US-Wahlstimmen durch Wähler via der Website Voteauction.com.Alles nur Satire ? Die Website, Anfang August vom Studenten James Baumgartner ins Leben gerufen, musste bald aufgrund von Aufforderungen des New Yorker Wahlkomitees schließen. Das Konzept der Seite sah vor, Stimmen von Briefwählern zu bündeln und an den Meistbietenden zu verkaufen. Allerdings sollte dies nur eine Satire auf ein korruptes Wahlsystem darstellen, so Baumgartner. Der Student verkaufte seine Seite an den Österreicher Hans Bernhard von ubermorgen.com . Die Seite wurde wieder ins Internet gestellt und bald fanden sich Wähler, die ihre Stimme zu Geld machen wollten. Ebenso schnell musste die Seite nach einem Gerichtsbeschluß am 18. Oktober vom Netz genommen werden. Der Verkauf von Wählerstimmen sei schlichtweg Korruption, hieß es von offizieller Seite. War aus der Satire nur noch pures Geschäft geworden ? "Es ist beides. Als langjährige i-Spezialisten sind wir flexibel genug, um das eine oder das andere zu machen, oder beides zu vermischen", sagte Bernhard im Gespräch mit derStandard.at. "Die Dynamik des Netzes lässt zu, dass wir ein Kunstprojekt Voteauction.com kaufen und es in ein Businessmodell überführen." Nach dem Gerichtsbeschluß wurde die Seite wieder eingespeist, allerdings unter vote-auction.com. Die Reaktion darauf kam von der amerikanischen Institution Internic , die alle DNS-Daten für .com-, .org- und .net-Domains speichert. Die Website wurde gesperrt. Seitdem ist die Seite nurmehr über ihre IP-Adresse abrufbar. Optimistisch in die Zukunft Dennoch scheint das für Bernhard kein Grund zur Besorgnis zu sein: "Der Realname Voteauction bringt uns prominent in alle Search-engines und die Presse hat mittlerweile in über 200 Artikeln unsere Adresse http://62.116.31.68 kommuniziert. Es wird für keinen Internet-User irgendein Problem darstellen, diese Plattform zu finden und zu nutzen!" Fraglich bleibt, ob Internic überhaupt das Recht besitzt, die Seite für alle User weltweit zu sperren. Wie der Online-Dienst Telepolis meldet, will sich der frisch gewählte ICANN-Direktor Andy Muller-Maghuhn der Sache annehmen, da sie tatsächlich einen groben politischen Eingriff der technisch orientierten Internic darstellt. Ubermorgen.com plant deshalb auch rechtliche Schritte: "Wir haben Corenic.org , dem Meta-Registrar neben Internic.net, eine Klage angedroht, falls sie die Domain vote-auction.com nicht bis Montag 6.11.2000, 12 Uhr, wieder aktivieren. Corenic.org tat dies aufgrund einer E-mail eines amerikanischen lokalen Gerichtes." Demnächst auch in Österreich ? Bernhard selbst ist sich keiner Schuld bewußt : "Wenn wir Stimmen verkaufen oder kaufen würden, was wir aber nicht tun, wäre das z.B. in Deutschland oder Österreich nicht unter gesetzlicher Strafe. Anders ist es in den USA. Wir sehen uns nicht mal auf der Vergehensebene in irgendwelcher Form rechtlich belangbar." Deshalb werde auch gerade über eine Fortführung des Unternehmens nach dem 7.November, dem Tag der US-Wahlen, nachgedacht. Es gäbe Anfragen aus Japan und Russland, über einen möglichen Verkauf werde zur Zeit vorverhandelt. Es scheint, als würde das Internet wirklich unkontrollierbar. (eru)