Wenn die Aktienkurse Jojo spielen, was derzeit der Fall zu sein scheint, können Optionsscheine beachtenswerte Möglichkeiten bieten. Bei vernünftiger Auswahl, ständiger Beobachtung und Beachtung einiger Spielregeln lässt sich damit gutes Geld verdienen. Außerdem eignen sich zum Beispiel Index-Optionsscheine recht gut, ein vorhandenes Portefeuille abzusichern. Durch Teletext und besonders das Internet sind außerdem Kurs-Verfolgung und Beurteilung wesentlich vereinfacht worden. Mit Klick hat man die wichtigsten vergleichbaren Optionsscheine und die dazugehörigen Kennzahlen am Schirm. Was den Interessenten keineswegs davon enthebt, sich selbst eine fundierte Meinung über den Basiswert zu bilden. Man sollte allerdings einige Grundregeln beachten, wenn man Optionsscheine kauft: Als Basiswerte eignen sich Aktien oder Indizes, für die man stärkere Schwankungen oder mittelfristig einen eindeutigen Trend erwartet. Basiswerte mit höherer Volatilität also. Mit Call- oder Put-Optionsscheinen lässt sich von steigenden oder fallenden Kursen profitieren. Risiko-Komponente Damit in engem Zusammenhang steht der Basispreis. Je größer die Differenz zum Marktpreis, um so höher das Risiko - aber auch die Gewinnmöglichkeit, wenn die Erwartung aufgeht. Außerdem sollte, sofern man nicht eine sehr rasche und starke Kursveränderung erwartet, der Optionsschein eine längere Laufzeit haben. Denn je näher am Ablauf, desto geringer der Zeitwert. Zu beachten ist das Delta, das über die Veränderung des Optionsscheinkurses im Verhältnis zum Aktienkurs Auskunft gibt. Es liegt zwischen 0 und 1, sollte aber günstiger Weise 0,5 bis 0,7 betragen. Sehr wichtig ist gerade bei Optionsscheinen die Handelbarkeit. Der Emittent sollte jederzeit einen fairen Preis stellen und dazu stehen. Beachten Sie zur Beurteilung auch den Spread zwischen Geld- und Brief-Kurs. Vielfach stellen die Emittenten laufend automatisiert Kurse, sodass man nicht auf die selteneren Börsenkurse angewiesen ist. Trotzdem ergeben sich bei den Spreads oft erhebliche Unterschiede. Warrants auf populäre Basiswerte, die häufig gehandelt werden, weisen meist einen geringeren Spread auf als solche auf Exoten. Aber auch bei sehr ähnlichen Warrants weichen die die Spreads oft beträchtlich voneinander ab. Eines ist unbedingt zu beachten: Optionsscheine sind nicht pflegeleicht. Sie brauchen ständige Überwachung. Und klare Vorstellungen. Was schon bei Aktien gilt, ist für Optionsscheine um so mehr gültig: Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen. Klingt natürlich leichter, als es ist. Wer will schon zugeben, wenn er sich einmal geirrt hat. Deshalb sollte man sich schon beim Einstieg Ziele setzen. Auch Verlust-Stopps. (Standard-Mitarbeiter Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Printausgabe, 6.11.2000)