Es ist mir ein Bedürfnis, schärfstens gegen die Telefon-Einspielung einer Wortmeldung von Ing. Westenthaler in der Sendung "Betrifft" (Sonntag, 5.11.) zu protestieren.

Selbstverständlich gilt Redefreiheit für jeden, und als Mitdiskutant hätte Ing. Westenthaler seine Meinung darlegen können so ausführlich er nur gewollt hätte. Allerdings sieht es katastrophal aus, wenn irgendein Politiker ex cathedra, wie der heilige Geist aus dem Tabernakel heraus, zu den Ungläubigen sprechen darf, sozusagen als Zunge (Pfingstwunder!) über jedem Haupt schwebend, das er unwidersprochen herunterputzen und abqualifizieren darf, denn Diskussion gibt's dann ja keine mehr über den Herrn Ingenieur.

Fischers Rechtfertigung, er habe der FPÖ, von der dauernd die Rede sei, Gelegenheit zur Stellungnahme geben wollen, ist lächerlich. Er hätte jederzeit einen oder mehrere FPÖ-Politiker einladen können. Ich kann dem Kollegen von der SZ nur Recht geben, wenn er meint, dass in Österreich wohl keiner merke, wie sehr sich die Spielregeln im ORF inzwischen geändert haben: Interventionen werden öffentlich und wehleidig beklagt, andrerseits werden sie, als Live-Interventionen, zum Prinzip erhoben. (...)

Wie gesagt, ich habe das dringende Bedürfnis, das Verhalten des Kollegen Fischer in dieser Angelegenheit schärfstens zu verurteilen und würde eigentlich erwarten, dass sich die ORF-Kollegen Fischers einem solchen Protest auch öffentlich anschließen.
Elfriede Jelinek
Schriftstellerin